Musikalische Begabung nachrangig

Der Musikfachmann und Salzburger Universitäts-Professor Manfred Bartmann äußert sich zum Benvenser-Musikpreis:.

Ob der Musikpreis, den die Bad Bevenser Tagung alle vier Jahre auslobt, überhaupt als ein Musikpreis und überdies auch noch als renommiert gelten kann, hat sich schon beim letzten Mal als überdenkenswert herausgestellt und nicht nur mich als Butenostfrees ins Grübeln gebracht. Mein Eindruck: Vor allem Aktivisten des Plattdeutschen („Fackelträger“) sollen ausgezeichnet werden. Musikalische Begabungen sind demgegenüber nachrangig. So hat man 2008 gleich zwei Preise verliehen, einen der Gruppe Lorbass und einen anderen dem musikalisch umtriebigen Jan Graf. Die enorme Bandbreite, die man mit diesen so unterschiedlichen Künstlern seinerzeit für preiswürdig erachtet hatte, hat sich erwartungsgemäß dann auch musikalisch recht unterschiedlich abgebildet. 2008 wurde finanziell gerichtet, was die Jury nicht geschafft hatte: Man hat das Preisgeld kurzerhand verdoppelt. Domals geef dat tweemal 2000 Euro. Dat is de Bämsers düchtig düür worden.

In diesem Jahr gab es wieder einen einzigen Sieger. Das nachgerade in Ostfriesland bekannte Otto-Groote-Ensemble hat das Rennen gemacht. Zu fragen bleibt allerdings, ob die Bevenser es diesmal geschafft haben, auch das Renommee ihres Preises entsprechend zu erneuern. Herauslesen kann ich, dass man darum sehr bemüht war. Das war aber auch nötig! Nicht herauslesen kann ich, dass man sich diesmal um ein wenig mehr Transparenz bemüht hätte, sei es um diesen Preis in erster Linie als einen Musikpreis zu präsentieren und vor allem darüber zu stärken. Zu fragen bleibt:

1. Ist dieses (diesmal wieder eindeutige) Votum das einer inzwischen anderen Jury?

2. Wie oft hat sich die Jury treffen müssen, um aus der enormen musikalischen Bandbreite und Vielfalt all jener Künstler, die einen norddeutschen Einschlag vernehmen lassen, weil sie sich ganz oder teilweise des Niederdeutschen bedienen, potentielle Sieger zu küren?

3. Wieviele Kandidat, welche Stilrichtungen kamen diesmal in Frage ? Gab es Nominierungen?

4. Hat sich die Jury ausgewählte CD-Tracks gemeinsam angehört und diskutiert? Hat sie es darüber geschafft, im Sinne einer Gruppe zu arbeiten, die mehr darstellt als die Summe ihrer Mitglieder, will sagen: Weisen ihre Voten und Begründungen deutlich über Einzelvoten und deren Begründungen hinaus?

5. Waren die Jurymitglieder bei der Preisverleihung sämtlich anwesend? Und: Wird es genau diese Bevensen-Musikpreis-Jury auch weiterhin geben, um auch in den nächsten Jahren alle weiteren platt-orientierten musikalischen Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen?

Manfred Bartmann,

Salzburg

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