Müssen Schafe erst aussterben?

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Schafe müssen geschützt werden, sagt Wendelin Schmücker.

Über die Nöte der Schäfer mit dem Wolf schreibt Wendelin Schmücker aus Winsen (Luhe):.

Hiermit möchte ich Ihnen aufzeigen, wo die Probleme mit dem Wolf und der Schafhaltung bestehen.

Was Sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen haben, waren Schlagworte. Jeder Wolfsriss wird entschädigt, so heißt es. Nicht bedacht wird jedoch, dass diese Entschädigung freiwillig ist und dass die Entschädigungsfonds begrenzt sind. Da gibt es ein totes Schaf, der Wolfsbeauftragte stellt einen Wolfsriss fest, und das Schaf wird ersetzt. So stellt sich die Sachlage für den unbedarften Betrachter dar.

Für den Betroffenen sieht das Ganze jedoch ganz anders aus. Folgeschäden sind manchmal wesentlich höher wie unmittelbar sichtbare Schäden, Folgekosten sind oft sehr schwer zu beziffern und extrem schwer nachzuweisen. Nach einem Wolfsübergriff ist die Herde hinterher mehr oder weniger lange traumatisiert. Bei jeder Kleinigkeit erschrecken sie und haben panische Angst. In der darauffolgenden Zeit kann es passieren, dass sie des Nachts öfters ausbrechen, weil sie bei jedem Geräusch denken, jetzt kommen die Wölfe wieder und in Panik geraten. Wie lässt sich das nachweisen? Werden die Schäden dann auch ersetzt? Ein Wolfsfond von 10 000 Euro ist dann schnell leer.

Tagsüber beim Hüten, erschrecken sie, laufen unruhig hin und her, sind immer auf der Hut. Sind säugende Mutterschafe dabei, lässt die Milchleistung nach, die Lämmer sind weniger gut versorgt, wachsen langsamer und sind krankheitsanfälliger. Wird das dann noch anerkannt? Wie lässt sich das beziffern?

Natürlich ist Vorsorge zu treffen. Gut gespannte Elektronetze mit ausreichend Stromversorgung habe ich sowieso, dann noch ein Flatterband oben drüber zur Abschreckung. Zum Auf und Abbau des Nachtpferches brauche ich täglich mindestens eine halbe Stunde.

Eine andere Möglichkeit der Vorsorge, sind die Herdenschutzhunde. Mit Hütehunden kenne ich mich gut aus. Aber Herdenschutzhunde, die gibt es hier in der Gegend gar nicht, sie sind mir wie fremde Wesen. Sie reagieren auch ganz anders. Tiere, die Wolf und Bär abwehren, müssen auch selbständige Entscheidungen treffen, sie haben nicht den üblichen Gehorsam eines Haus- oder Hütehundes. Kann der Umgang mit ihnen in einem Wochenendkurs gelernt werden? Wie kann ich einen Welpen finden, der später seine Arbeit tut, aber gleichzeitig nicht zu aggressiv ist? Kann mich dann auf der Weide dann noch jemand besuchen oder wird er gleich vom Schutzhund angegriffen? Wird Nachbars Haushund als Vorspeise verzehrt, wenn er mal zu nahe kommt?

Die EU gibt viel Geld aus zur Förderung des Tourismus im ländlichen Raum. Der Tourismus in Deutschland wirbt mit einer Schafherde in einer intakten Landschaft. Die schönsten, abwechslungsreichsten und artenreichsten Landschaften werden durch Schafherden gepflegt. Will man Schafe und Ziegen langfristig flächendeckend erhalten, müssen sie geschützt werden. Oder müssen sie erst aussterben, dass man sie mit großem Aufwand wieder ansiedelt und sie zu den am bestgeschützten Arten zählen dürfen?

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