Molzen: Schule mit Engagement und großem Herz

Christin Anja Springer hat zur geplanten Schließung der Molzener Grundschule einen Leserbrief verfasst:.

Unsere schwerst mehrfach behinderte Tochter Alina geht in die 2. Klasse der Grundschule Molzen. Die Nachricht, dass ausgerechnet ihre Schule dem Sparzwang geopfert werden soll, hat uns schwer getroffen.

Unsere Tochter kann weder laufen, noch ohne Hilfe sitzen und sie kann nicht sprechen. Auf der langen Suche nach der richtigen Schule für unser Kind sind wir immer wieder auf Vorbehalte gestoßen.

Der Begriff „normal“ ist dehnbar. Alles, was existiert, was lebt, was liebt, was Spaß hat am Leben, kann lernen und ist für uns „normal“. Das ist unser Ideal einer Gesellschaft, in der behinderte Kinder eben auch normal sein dürfen, und zwar als Kinder und nicht bloß als Behinderte. Die Vorbehalte gegen Behinderte sind größer, als sich jeder Politiker eingestehen will, größer als sich ein „gesunder“ Bürger vorstellen kann.

Inklusion ist ein schönes Modewort, im täglichen Leben. Jedoch im Bewusstsein der Menschen keineswegs verankert. Wir haben lange nach einer Regelschule in Uelzen gesucht, die Alina aufnimmt. Die Grundschule Molzen hat sie mit offenen Armen empfangen. Dort haben sich alle auf das Experiment mit viel Engagement und großem Herz eingelassen.

Wir sind der Grundschule Molzen so dankbar, dass sie das unserer Tochter möglich machen. Alina geht gern zur Schule. Sie lernt und lebt in der Grundschule Molzen. Selbst wenn es sich viele nicht vorstellen können: Auch ein schwer behindertes Kind kann lernen und Freude empfinden. Alina gehört in Molzen dazu und erfährt so wenigstens in ihrer Kindheit, was es heißt, mit gesunden Menschen Tag für Tag zusammen zu sein. Für beide Seiten ist das eine ungeheure Bereicherung.

Wenn Molzen geschlossen wird, zieht dies unserer Tochter den Boden unter den Füßen weg. Was bleiben dann für Alternativen? Entweder werden wir gezwungen, das Kind gegen unsere Überzeugungen in eine Spezialschule zu geben, oder wir müssen eine andere Regelschule zwingen, Alina aufzunehmen. Das wäre jedoch weder sinnvoll, noch ist es von uns gewollt.

Die Grundschule Molzen muss erhalten bleiben: für gesunde und für behinderte Kinder. Wir glauben fest daran, dass es außer uns noch andere Exoten-Familien gibt... mit normalen behinderten Kindern. Auf dem Papier und mit der Distanz unbeteiligter Politiker ist die Schließung der kleinen Grundschule Molzen schnell beschlossen. Für viele Kinder und ihre Familien wäre dies eine schlechte Entscheidung.

Christin Anja Springer,

Uelzen

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