Mitgliederferne Großgenossenschaften

Leserbrief zu „Regeln für jede Generation“ aus der AZ vom 12. November

Vielen Dank für den netten Artikel über die Ideale, Vorzüge und Prinzipien der Genossenschaften. Leider ist es so, dass sich viele fusionierte Großgenossenschaften weitgehend von den Mitgliedern entfernt haben und ein unternehmerisches Eigenleben führen. Das haben auch viele Landwirte oft schmerzhaft erfahren müssen.

Zur Volksbank Uelzen-Salzwedel eG, deren Mitglied ich bin, möchte ich folgenden Verbesserungsvorschlag in Sachen Genossenschaftsdemokratie machen: Seit längerem gibt es keinerlei Versammlungen der Genossenschaftsmitglieder mehr, bei denen Information, Diskussion, Vorschläge, Kontrolle und Wahlen möglich wären. Stattdessen gibt es nur noch eine sogenannte „Vertreterversammlung“, die weitab von den Mitgliedern existiert.

Das liegt auch am Wahlmodus für die Vertreterversammlung: Der Wahlausschuss tritt alle 4 Jahre zusammen - gebildet aus Vertretern des Vorstands, des Aufsichtsrats und Vorgeschlagenen der Vertreterversammlung. Dieser Wahlausschuss wiederum stellt eine Liste der Kandidaten für die neue Vertreterversammlung auf. Insofern bestimmen die bisher Maßgeblichen auch darüber, wer in Zukunft maßgeblich bleibt.

Nun sieht die Satzung auch die Möglichkeit vor, dass Mitglieder, die nicht in der alten Vertreterversammlung sind bzw. nicht von der alten Vertreterversammlung benannt werden, selber eine weitere Kandidatenliste einreichen. Diese Möglichkeit besteht aber weitgehendst nur auf dem Papier: Mangels regionaler Mitgliederversammlungen kennen sich die Mitglieder ja kaum, es gibt somit keine Meinungsbildung oder Diskussion – und außerdem ist die Mindest-Unterstützerzahl von 300 Mitgliedern und eine inhaltliche Verständigung mangels gegenseitigen Kennens nur schwer zu erreichen.

Das Ergebnis dieser Mitglieder- und Demokratieferne: In den Gremien der Volksbank dominieren bestimmte Berufs- und Gesellschaftsgruppen sehr stark, der „normale und private Bankkunde“ ist kaum repräsentiert. Das erklärt vielleicht auch, weshalb manche Geschäftsmodelle und Entscheidungen diesen Interessen nur bedingt gerecht werden. Wenn man es also ernst meint mit der vielgerühmten Genossenschaftsdemokratie, dann wären jetzt alsbald Beschlüsse zu einer Rückkehr zu regionalen Mitgliederversammlungen überfällig. Die Attraktivität der Volksbank könnte dadurch eigentlich nur gewinnen…

Eckehard Niemann,

Varendorf

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