AZ-Leserbrief

„Mit Prügel zum Rechtshänder“

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Psychologin Marina Neumann schult die auf rechts umgeschulten Linkshänder wieder zurück.

Zum Artikel „Rückkehr zum Linkshänder-Ich“, AZ vom 13.  August, schreibt dieser AZ-Leser:

Ich habe den Bericht von Frau Marina Neumann gelesen. Sie hat Recht damit, dass der Linkshänder früher durch Prügel zum Rechtsschreiben gezwungen wurde. Ich bin 1928 in die Schule gekommen und da war es noch schlimmer, denn ich war für meine Lehrer eine Missgeburt. Ich wäre auch immer sitzen geblieben, wenn ich nicht in den anderen Fächern wie Rechnen, Raumlehre, Sport und anderen so gut gewesen wäre.

Ich bin 1946, gleich nach dem Krieg, in die Lehre gekommen und habe festgestellt, dass alles für den Rechtshänder hergestellt war. Maschinen, Werkzeuge, Schalter, Hebel und so weiter. Ich kam sehr schnell damit zurecht. Ich war dann bald den Rechtshändern weit überlegen, denn ich hatte jetzt zwei Hände, die fast alles konnten. Der Rechtshänder hatte nur seine rechte Hand und mit der linken konnte er nicht allzu viel anfangen. Ich habe im Leben viele Handwerksberufe erlernt und war in allen Berufen bauleitender Monteur. Ich hatte auch neun Brüder, die waren alle im Lesen und Schreiben besser als ich und der Älteste war später sogar Bauarchitekt.

Trotz allem war ich der Klügste von uns. Auch das habe ich von meinem Opa geerbt und vom Vater die Glatze. Es nützt dem Linkshänder nichts mehr, wenn er mal rechts schreiben gelernt hat und jetzt wieder links schreiben lernen soll. ... Es gibt auch viele Rechtshänder, die nicht richtig lesen und schreiben können. Ich muss gestehen, ich kann bis heute nicht fehlerfrei schreiben, das hat aber meine Vorgesetzten nie gestört. Dafür habe ich andere gute Eigenschaften.

Karl-Heinz Sonnabend, Bad Bevensen

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