Missbrauchte Pressefreiheit

Eckhard Burmester aus Eddelstorf äußert sich zu dem Gedenkmarsch, an dem auch Kanzlerin Angela Merkel teilnahm (AZ vom 12. Januar):

Jetzt sind sie mit versteinerten Blicken auf die Straße gegangen. Hunderttausende in Paris unter Anführung einiger Größen der Welt und in einigen europäischen Städten auch. Wenn dieses zum Gedenken an die brutal ermordeten Franzosen geschah, ist dieses völlig nachvollziehbar und auch notwendig. Aber in diesem Zusammenhang für Toleranz und Pressefreiheit auf die Straße zu gehen, ist schon sehr bedenklich. Für welche Toleranz und Pressefreiheit soll denn demonstriert werden?

Es gibt auch noch andere Begriffe als „Pressefreiheit“– nämlich: Ethik, Moral, Anstand, Sitte, Respekt. Die Pressefreiheit ist dafür da, die Wahrheit zu sagen, Missstände aufzudecken, anzuprangern. Das ist schon ein hohes Gut, das in vielen Staaten so nicht vorhanden ist. Die Pressefreiheit darf aber nicht missbraucht werden, um Menschen zu verunglimpfen, zu verleumden oder zu beleidigen oder in groß angelegten Kampagnen Personen systematisch „fertigzumachen“, bewusst Lügen zu verbreiten. Oder, wie in Frankreich geschehen, durch provokante Zeichnungen die Anhänger einer Religionsgemeinschaft bis aufs Messer zu reizen, ihren „Gott“ der Lächerlichkeit preiszugeben.

Es war doch allen bekannt, dass im Gegensatz zum Christentum, wo das Götzentum gang und gäbe ist, die bildliche Darstellung von Allah und Mohammed bei hoher Strafe strengstens verboten ist, dies ein elementarer Punkt des islamischen Glaubens ist.

Wo ist da die Toleranz gegenüber Andersgläubigen? Wie groß wäre wohl bei uns der Aufschrei, wenn eine deutsche Zeitschrift Jesus immer wieder als Hippie nackt bei sexuellen Handlungen oder den Papst als schwulen Liebhaber von Kardinälen darstellen würde?

Die Taten von Paris sind ohne Zweifel barbarisch und abscheulich. Eine Mitschuld tragen aber auch die Verantwortlichen, die diese Taten wissentlich in Kauf genommen haben. Denn dass ein hohes Risiko für eine solche „Rache“ bestand, war allen Beteiligten bewusst. Pressefreiheit ist nicht grenzenlos, sondern hat auch ihre Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen.

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