Leserbrief zur Kandidatur von Friedrich Merz für den Bundesvorsitz der CDU

Merz und Altersarmut: "Was macht Hartz IV aus den Menschen?"

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Mathias Böhnke wünscht sich mehr Mut von allen Bürgern, damit die Altersarmut nicht noch schlimmer wird.

Mathias Böhnke aus Jelmsdorf bezieht sich in seinem Leserbrief auf den Artikel „Alarmierende Rentenprognose für den Landkreis Uelzen“:

"Friedrich Merz sieht seiner Selbsteinschätzung zufolge keinen Interessenkonflikt zwischen seiner bisherigen Tätigkeit beim Finanzkonzern Blackrock und dem angestrebtem Amt des CDU Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten in spe.

Dass er jetzt schon ganz offen für verstärkten Aktienerwerb zur Altersvorsorge wirbt, zeigt, dass er in der Tat keinen Konflikt sieht. Als Möchtegernkanzler vertritt er einfach weiterhin die Interessen von Blackrock. Wer sich als Millionär ganz bescheiden zur gehobenen Mittelschicht zählt, hat wohl schon komplett die Wahrnehmung dafür verloren, dass die Mehrheit der Deutschen schlicht und einfach nicht genug Geld übrig hat, um Aktienpakete zu horten.

Ganz zu schweigen von den Problemen, die ein Crash der Aktienmärkte für diese Art der Altersvorsorge bedeuten würde. Ob Herr Merz mit solchen Ansichten die Delegierten der CDU für sich gewinnen kann, die über Frau Merkels Nachfolge entscheiden?

Leserbrief

Hartz-IV und die Agenda-Politik haben dafür gesorgt, das die Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft immer größere Ausmaße annahmen. Ein Hinterfragen dieser Politik blieb aus. Somit ist es kein Wunder, dass uns nun die Folgen dieser Politik einholen. Dass viele Menschen von ihrer Rente im Alter nicht mehr leben können, ist uns doch nicht erst seit heute bekannt.

Die verschiedenen Bundesregierungen haben es seit Jahren versäumt, hier gegenzusteuern. Eine notwendige Reform – die die Bezeichnung Reform auch verdient – blieb aus. Hartz IV und die Agenda-Politik haben nicht nur für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland gesorgt, sie tragen auch für soziale Missstände die Verantwortung, die Sie, liebe Leser und ich noch gar nicht absehen können. Den Mut zu haben, eine Reform der Systeme anzugehen. Den Mut zu haben, die aufzufangen, die in das Hartz-IV-Loch gefallen sind. Den Mut zu haben, zu sagen, wenn Solidarität, dann für alle und ohne Ausnahme. Diesen Mut braucht eine Gesellschaft wie unsere. Eine weitere Frage ist auch, was macht Hartz-IV aus den Menschen?

Stigmatisiert als Versager oder Faulpelze verliert doch jeder früher oder später die Motivation. Sanktionen warten auf den, der nicht jeden Job annimmt. Menschen, die sich jahrelang mit Mindestlohn und Zweit- oder gar Dritt-Job über Wasser halten, finden sich im Rentenalter, am Rande unserer Gesellschaft wieder. Wir, Sie und auch ich, haben die Dienstleistungen einer Reinigungskraft, einer Küchenhilfe oder die eines Mitarbeiters aus den vielen Niedriglohn-Jobs direkt oder indirekt in Anspruch genommen. Sie haben ihr Leben lang gearbeitet. Und heute? Unsere Gesellschaft muss, nein, unsere Gesellschaft hat die Pflicht, die Altersarmut zu verhindern und jedem eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Haben wir Mut gemeinsam."

Leserbriefe geben immer die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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