„Menschliches Fehlverhalten“

Die Rückkehr des Wolfes in den hiesigen Wäldern sorgt für zahlreiche Diskussionen unter AZ-Lesern.
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Die Rückkehr des Wolfes in den hiesigen Wäldern sorgt für zahlreiche Diskussionen unter AZ-Lesern.
  • Patrick Ristow
    vonPatrick Ristow
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Zum Artikel „Von Wölfen eingekreist“ (AZ vom 20. Mai) schreibt Klaus Bullerjahn aus Medingen:

Ich hätte mir diese Zeilen gerne verkniffen, aber mehr Gerüttel am Watschenbaum ist kaum möglich: „Es gibt keinen Beweis für diese Situation“ – in Ermangelung eines Smartphone-Selfies mit Wölfen nur drei zu vernachlässigende Zeugenaussagen, die zur Beweisführung natürlich nicht zugelassen sind.

Dagegen sind natürlich reichlich Foto- und Filmdokumente entstanden, auf denen Wölfe in der Prägephase ihres Aufwachsens im Nahbereich von Menschen aufgenommen wurden, die nicht zeitnah als Sichtmeldung eines C1 Nachweis an das Wolfsmonitoring weitergeleitet wurden.

Und niemand hat diese Situationen hinterfragt, die ein Beweis für die Unwissenheit im Umgang mit einer Tierart sind, deren Habituierung (Gewöhnung) man unter allen Umständen vermeiden will. Habituierung ist die Folge wiederholter, konsequenzloser Wolf-Mensch-Begegnungen, oder einfacher eine Folge passiven Verhaltens des Menschen gegenüber dem Wolf (Nachzulesen bei Mark E. McNay „A case history of wolf-human encounters in Alaska and Canada“- übrigens eine Studie, auf die neben der NINA-Studie „Review of wolf attacks“gerne und fast ausschließlich in Ermangelung eigener Erfahrungen in Deutschland zurückgegriffen wurde, wie z.B. dem BfN-Skript 201)

Natürlich geistert die Formulierung von der Wolfsbegegnung, bei der sich der Wolf nicht aggressiv verhalten hat, durch die Veröffentlichungen – nur ist das nicht zwangsläufig ein Charakteristikum für Unbedenklichkeit, sondern kann sich bei der nächsten Begegnung als folgenschweres Fehlurteil herausstellen.

Um noch ein wenig McNay zu zitieren: „Diese Wölfe, von denen eine Annäherung an Menschen ausgeht, scheinbar aus Neugier oder dem Bedürfnis nach Interaktion, sind diejenigen, die höchstwahrscheinlich aggressiv reagieren.“ (Living safely in wolf country“ der Division of Wildlife Conservation of the Alaska Department of Fish & Game, 2008, Editor: Mark McNay)

Bei der mangelnden Scheu handelt es nicht um eine Besonderheit des Munsteraner Rudels, sondern um Habituierung, durch menschliches Fehlverhalten. Offensichtlich hat es hier an Wissen, Problembewusstsein und Bedeutung für derartige Begegnungen gefehlt. Hier wurde eine Distanzlosigkeit toleriert oder provoziert, die Monate später bei der betroffenen Bevölkerung in den Wolfsgebieten verständlicher Weise Sorge und in Ablehnung gegen den Wolf umschlägt. Die wohlmeinende Toleranz gegenüber dem Wolf, die er eigentlich verdient hat, wurde hier verspielt.

Zum selben Thema meint Wilfried Kuhn aus Linden:

Was ist hier in der Lüneburger Heide eigentlich los? Zuerst bestand der große Wunsch, Wölfe wieder in der Heide anzusiedeln, da sie eigentlich hier hin gehören. Nachdem sie jetzt endlich wieder da sind, möchte man sie so schnell wie möglich loswerden. Nach einigen harmlosen und belegbaren Begegnungen, bei denen nichts passierte, beschreibt die Mutter einer 22-Jährigen (kann diese das nicht selber) eine angebliche Wolfsbegegnung, die durch Nichts zu beweisen ist. Sie berichtet von Weg absperren und Einkreisung. Wo sind die Beweise? Man sollte dann lieber schweigen.

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