Menschlich verständlich

Borvin Wulf aus Suderburg hat folgende Meinung zur aktuellen Griechenland-Berichterstattung:

Wie in den meisten deutschen Medien seit Wochen über Griechenland hergezogen wird, ist beschämend. Der in der AZ zum Abdruck gekommene dpa-Beitrag „Griechenland pocht auf Rückzahlungen“ lässt ein wenig aufatmen. Aber eben nur ein wenig.

Dass die links orientierte Syriza-Regierung sich schwertut, für die Taten der griechischen Vorgängerregierungen insbesondere von Deutschland in Regress genommen zu werden, ist menschlich verständlich, zumal dann, wenn die von der Vorgängerregierung und der Troika vereinbarte Schuldenrückzahlung zu noch größerer sozialer und gesundheitlicher Verelendung breiter Bevölkerungsschichten führt. Aber allein darum – wenngleich schon schlimm genug – geht es ja gar nicht.

Wie Deutschland mit den Opfern des deutschen Faschismus umgesprungen ist, verdient allemal einen Stinkefinger: Bis 1990 wurden sämtliche griechische Reparationsforderungen als „zu früh“ zurückgewiesen. Man solle warten, bis Deutschland einen Friedensvertrag mit seinen früheren Gegnern geschlossen habe, tönte Bonn unter Berufung auf das Londoner Schuldenabkommen. Dementsprechend wurde die griechische Regierung nach Abschluss der Zwei-plus-Vier-Verträge wieder vorstellig, holte sich aber eine erneute Abfuhr, dieses Mal mit der Begründung, es sei nun „zu spät“ für Reparationen.

Die Hunderttausende toter Zivilisten, die hingerichteten Geiseln, die massakrierten Dorfbewohner, die vernichtete Infrastruktur – für all das hat es bis heute keine wirkliche „Entschädigung“ gegeben, von der Rückzahlung der seitens der deutschen Faschisten von Griechenland 1942 zwangsweise erhobenen „Be–satzungsanleihe“, die in heutigem Wert rund elf Milliarden Euro beträgt, fast nicht zu reden. Lorenz von Stackelberg sollte sich schämen, in seinem AZ-Kommentar vom 17.3. von „amoklaufender Syriza-Regierung“ sowie von „der dreisten Taktiererei von Tsipras, Varoufakis & Co.“ zu reden.

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