Der Mensch ist das Problem

Nicht die Wölfe als solche sind das Problem, meint Ulrich Merz, sondern der Mensch mit seiner Verklärtheit zu diesem Thema sei es. Foto: dpa

Ulrich Merz aus Növenthien, Sprecher der Interessengemeinschaft „Weidetierhalter Nordost-Niedersachsen“, schreibt zur Berichterstattung über die Rückkehr des Wolfs:.

MdB Henning Otte (CDU) sprach im Artikel der AZ vom 26.8.2015 von „individuellen Maßnahmen“ im Zusammenhang mit „Problemwölfen“ und mahnte einen „unbürokratischen Umgang“ mit ihnen an. Weiter sprach er vom Grundsatz, dass der „Schutz des Menschen“ immer Vorrang hat, ohne im Zusammenhang „Wolf“ näher auf den Schutz einzugehen.

Am 28.8. war in der AZ „Wölfe reißen Schafe auf gesicherter Weide“ zu lesen und am 12.9. „Zehn Schafe gerissen“ und „ein weiteres“ schon im Mai. Hinter jeder dieser Meldungen stehen Schicksale von Menschen, die an der Seele verletzt und an ihrem Vermögen geschädigt wurden. Sie stehen aber auch für Schicksale von Tieren.

Der „Schutz des Menschen“ und seiner Tiere steht unauffällig im Hintergrund. Das Augenmerk und die Wichtigkeit liegt und steht in der Einrichtung eines „Wolfsmonitorings“. Der Sinn eines Monitorings erschließt sich aber nicht, wenn es sich ausschließlich auf „Beobachten, Überwachen“ beschränkt, aber keine Schlussfolgerung gezogen wird.

Wenn das Ergebnis die Schlussfolgerung von Herrn Grüntjens – Zitat: „Eine Reduzierung des Bestandes durch Abschuss kann und darf es nicht geben“ (AZ, 26.8.) – sein sollte, hat sich das Monitoring entlarvt und selbst abgeschafft.

Auf diesem Recht-behalten-wollen-Dogma wird auch das mit 450 000 Euro per anno, vom Steuerzahler finanzierte Wolfsbüro ad absurdum gestellt. Trotz des Aufwandes des Monitorings streunen mittlerweile unbehelligt Wölfe durch unsere Dörfer, bedrängen Wanderer, Fahrradfahrer, Reiter, Bauern, reißen Rinder, Schafe, Gehegewild, töten Pferde, verdrängen Wild, schließen Waldkitas. Sie vermehren sich in unkontrollierter Schnelligkeit und gewöhnen sich zunehmend an den Menschen. Doch der Wolf stellt für sich, in seiner Art, kein Problem dar!

Der Wolf ist ein intelligentes Raubtier, das erst durch unsere durchorganisierte, dichtbevölkerte Kulturlandschaft zu einem „Problemwolf“ gemacht wird. Auch die verkündete Maßnahme der Vergrämung läuft ins Leere. Es kann nur vergrämt werden, wenn genug „Vergrämungshinterland“ vorhanden ist. Bei uns wartet stattdessen eine von Menschen geprägte und genutzte Infrastruktur auf ihn. Unser Problem sind die Menschen, die aus vorliegenden Tatsachen keine Schlüsse ziehen, wahrnehmungsboykottiert in Beharren erstarrt sind und radikal ihren Traum leben wollen.

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