AZ-Leserbrief

Mehr „Selbstschutz“ als „kriminelle Energie“

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Die bei Wittingen im Elbe-Seitenkanal geborgene, erschossene Wölfin soll vor ihrem Tod noch bestialisch „gequält“ worden sein.

Zur Entwicklung der Wolfsrudel in Niedersachsen und zum Fund einer toten Fähe im Kanal erhielt die Redaktion folgenden Leserbrief:

In den letzten Wochen konnte der interessierte Leser der AZ entnehmen, dass Niedersachsen derweil 22 Wolfsrudel, mehrere Paare und Einzeltiere sein Eigen nennen darf.

Summa summarum beziffert sich der Bestand auf geschätzte 300 Großraubtiere, so viel wie im gesamten Schweden! Gleichzeitig sind, trotz der wachsenden Population, die Risse von Weidetieren, Schafen... (angeblich) nicht angestiegen. Liegt das an den seherischen Fähigkeiten der „Experten“ oder an der Weitsicht der Landesregierung? Oder gar der Einsicht des Wolfes? Wohl eher nicht! Es liegt wohl vielmehr an den zunehmenden Einstallungen, der Verbringung der Tiere in ortsnahe Bereiche, auch durch die von Zäunen zerschnittene Landschaft und die nicht immer gemeldeten Risse. (...)

Bei einer dem Wolf artgerechten Reviergröße von circa 200 Quadratkilometern (qkm) leben im Landkreis von 1.454 Qkm und der Einwohnerzahl von 93 .000 (2016), 12 .792 Menschen in einem vom Wolf benötigten Terrain – was wohl die höchste Einwohnerdichte in einem Wolfsrevier weltweit bedeutet.

Können wir hierauf Stolz sein? Oder ist das eher ein Ergebnis von biodiversitätsverliebten Allmachtsexperten? Ich sage, dass ihr Denken sich gegen die Landbevölkerung gerichtet hat und sich einzig auf den Schutz ihres „heiligen Ökotiers“ richtet. Anders können die Äußerungen von Herrn Preusse und Herrn Laser (AZ v. 23. Juli, Wolf im Kanal) nicht erklärt werden. Natürlich muss jedweder Rechtsverstoß verfolgt und geahndet werden. Hier wird aber über das „kriminelle Vermögen“, über eine „hohe Kriminelle Energie“ gesprochen, ohne den Tathintergrund und die Motivlage, zu kennen. Hier wird „Wilderei“, wie zu Zeiten absolutistischer Herrscher, zu einem Kapitalverbrechen hochgeredet, weil der neue „Naturschutz“-Adel in seinem Selbstverständnis angegriffen wurde. Bei einer zunehmenden Einschränkung von Grundrechten durch das Großraubtier Wolf, wie Eigentum und der Freiheit des unbekümmerten Aufenthaltes in unserer Natur, ist m. E. nicht von „krimineller Energie“, sondern eher von einem Akt des Selbstschutzes zu reden. (...)

Ulrich Merz, Növenthien

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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