Mast- und Schlachtanlagen sind Tierquälerei

Leserbrief zum Artikel: Mastgegner machen mobil vom 17. November 2012

In den letzten Wochen und Monaten, zuletzt in der letzten Samstagsausgabe der AZ, wurde in unserem Landkreis intensiv über das Für und Wider von Großmast- und Großschlachtanlagen diskutiert.

Die Befürworter führten wirtschaftliche Gründe ins Feld, die letztlich auch für die Genehmigung ausschlaggebend waren.

Die meisten Gegner befürchteten Gesundheitsschäden und Beeinträchtigungen für den Menschen.

Diese Stimmen haben mich nachdenklich gemacht und mich bewogen, darüber nachzudenken, was diese Art der Tierhaltung eigentlich für die Stalltiere bedeutet.

Die erste Frage die sich für mich dabei ergab war:

Weiß ich eigentlich woher das Fleisch kommt, das ich esse??

Ich mußte mir eingestehen, dass ich nicht genau wußte, wie heutzutage die Tiere gehalten und getötet werden, und ich mußte auch feststellen, dass ich es , wie die meisten Menschen auch, gar nicht so genau wissen wollte.

In den letzten Jahrzehnten sind unzählige Berichte veröffentlicht worden, welche die Qualen und Grausamkeiten beschreiben, die den Tieren in den Mastanlagen, in den Schlachthöfen, auf den Tiertransporten und nicht zuletzt in den Versuchslabors zugefügt werden.

Die Tierquälereien sind kein Geheimnis. Aber wie fast alle hatte ich diesen unangenehmen und peinlichen Problemkreis einfach verdrängt. So konnte ich auch, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, Fleisch und Wurst genießen.

Hier bestätigt sich die Tatsache, dass die langjährige Kenntnis von Mißständen den Menschen abstumpft.

Die Methoden der Intensivhaltung wurden zu Beginn des letzten Jahrhunderts eingeführt, weil sie praktisch waren, weniger Arbeitskräfte benötigt wurden und sie so den Landwirten zu mehr Wirtschaftlichkeit verhalfen.

Nach und nach wurden immer mehr Rationalisierungsmethoden entwickelt, um mit den großen Zahlen zurechtzukommen.

Einige Standardmethoden will ich hier nennen:

Unterbringung in Hallen auf engstem Raum z. B. 42.000 Hähnchen (ohne Tageslicht, in drangvoller Enge ohne Bewegungsmöglichkeiten und ohne jegliche Beschäftigungsmöglichkeit der Tiere);

Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass gerade die Schweine mit ihrer hohen Intelligenz in diesen Tierfabriken unter solchen Bedingungen ein elendes und erbarmungswürdiges Leben führen. Vergleichbar wäre, wenn man einen großen Hund sein ganzes Leben in einem Kleiderschrank halten würde, auch wenn dieser Vergleich noch viel zu harmlos ist.

Ich denke, dass es einen Aufstand gäbe, wenn unseren Hunden und Katzen das angetan würde, was unseren Nutztieren standardmäßig angetan wird, nämlich:

Automatische Fütterung (mit Kraftfutter, Beruhigungsmitteln und Antibiotika um möglichst schnell und ohne Verluste das Schlachtgewicht zu erreichen ).

Im Jahre 2011 gingen offiziell (die Dunkelziffer ist unbekannt) übrigens 1734 Tonnen Antibiotika in die deutschen Ställe. Das ist 40 Mal mehr als in die deutschen Kliniken ging. Einer Studie zu Folge bekamen 96% von 15,2 Millionen untersuchten Hähnchen Antibiotika. Die Folge dieses Antibiotika- Einsatzes ist, dass mittlerweile ganze Bakterienstämme gegen Antibiotika resistent sind und lt. Europäischem- Seuchen- Kontroll- Zentrum in Europa jährlich 25.000 Menschen deswegen sterben müssen. Schnabel kürzen (ohne Betäubung);

Spalten Böden bei Säugetieren (die Tiere liegen ohne Streu auf diesen Böden);

Abschneiden der Schwänze bei Ferkeln (ohne Betäubung)

Kürzen der Eckzähne bei Ferkeln (ohne Betäubung)

Kastrieren von Ferkeln (ohne Betäubung)

Maschinelle Schlachtung (wobei bei einem großen Teil der Tiere die Betäubung nicht wirkt, so daß sie bei lebendigem Leib gebrüht und zerteilt werden)

Tagelange Tiertransporte zum Schlachten ins Ausland (in qualvoller Enge ohne Möglichkeit der Tiere sich zu bewegen, ohne ausreichend Wasser und Futter, viele Tiere erreichen nur noch tot ihr Ziel)

Auch in Betrieben, die mit dem Prädikat Bio werben, werden die Tiere nicht unbedingt humaner behandelt. Bio kann eine bessere Haltung bedeuten, aber sicher ist das nicht.

Jedem mitfühlenden und mitdenkendem Menschen müßte bei dieser Betrachtung der Appetit auf Fleisch und Wurst vergangen sein, wenn, ja wenn unser Verdrängungsmechanismus nicht so gut funktionierte.

Die Ursache für diese Tierhölle auf Erden ist der hohe Fleischverbrauch in den westlichen Staaten, der auch in China und den Schwellenländern ständig zunimmt. Für die Ernährung eines Bundesbürgers z. B. sterben ca. 20.000 Tiere.

Fleisch entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zum „ Ramschartikel“. In den letzten 50 Jahren stiegen die Autopreise um das 14 fache. Der Geflügelpreis hat sich in diesem Zeitraum nicht einmal verdoppelt. Rechnet man die Inflationsrate ab, muß man feststellen, dass Fleisch heute billiger ist als je zuvor.

Ich glaube, dass wir uns als denkende und fühlende Menschen fragen müssen, mit welchem Recht wir das alles unseren Mitgeschöpfen antun, bzw. antun lassen.

Einfach nicht hören und es nicht wissen wollen ändert nichts an unserer Mitverantwortung.

Wir alle wissen was geschieht, und wenn wir es einfach so hinnehmen dann sind wir mitschuldig.

Oft hört man in diesem Zusammenhang, das Leid der Tiere wäre doch gar nichts im Vergleich mit dem Leid was sich die Menschen untereinander auf der ganzen Welt zufügen. Das ist zwar richtig, aber meistens sind es die Gleichen, die versuchen, den leidenden Menschen und den leidenden Tieren zu helfen. Und es sind dieselben, die unter Hinweis auf das eine auch das andere nicht tun.

Als Vorbild für ethisches Handeln, das auch unsere Mitgeschöpfe einschließt, kann uns der evangelische Theologe Albert Schweizer dienen, der als das Urbild des Menschen, der das Gute um seiner selbst willen tut, bezeichnet werden kann. Albert Schweizer prägte den Ausspruch, von der allumfassenden Ehrfurcht vor dem Leben und von der Ethik der Liebe zu allem Geschaffenen.

Er fordert uns auf, allem Leben, dem man beistehen kann, zu helfen und nichts Lebendigem zu schaden. Deshalb behandelte er in seinen Spitälern in Lambarene nicht nur Menschen, nein, in zwanzig Gehegen wurden auch kranke Tiere gesund gepflegt.

Ich denke wir sollten uns durch dieses Beispiel aufgefordert fühlen, allen unseren Mitgeschöpfen zu helfen und keinem Lebewesen zu schaden.

Über Wege und Möglichkeiten sollten wir nachdenken und uns um Verhaltensänderungen bemühen.

Franz Naber, Uelzen

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