AZ-Leserbrief

„Man sollte Widerstand lassen“

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AZ-Leser Norbert Blazytko aus Nateln ist der Meinung, der Widerstand gegen die A 39 sollte fallen gelassen werden.

Zum Artikel „Gericht stoppt A-39-Weiterbau“, AZ vom 12. Juli, erreichte die Redaktion ein Leserbrief:

Ich kann und mag es schon lange nicht mehr lesen: Diese ständigen Widerstände gegen jedwede Veränderung. Erinnert man sich noch, wie damals gegen den Elbe-Seitenkanal gewettert wurde?

Unter anderem mit der Begründung, dass er die Natur irreparabel schädigt. Und heute? Heute ist der Elbe-Seitenkanal eine Naturoase, die Mensch und Tier nützlich ist. Die A 39 gibt es schon Jahrzehnte in den Räumen Lüneburg und Braunschweig. Und jedem Menschen mit ein bisschen Hirn war schon immer klar, dass die beiden Enden miteinander verbunden gehören.

Leserbrief

Die Gründe gegen die Komplettierung der A 39 sind schlichtweg vorgeschoben. Und ein Stopp der A 39 ist menschenfeindlich. Würden die Ortschaften an der B 4 im Raum Lüneburg (ganz speziell Melbeck) und Braunschweig statt von Menschen von Tieren bewohnt, dann wäre die A 39 längstens fertig gebaut. Denn ein Leben an der B 4 wäre ja den Tieren nicht zuzumuten. Der Fertigbau der A 39 wird kein einziges zusätzliches Auto vom Band laufen lassen.

Aber vielleicht die zusätzliche Anschaffung eines manchen Lkw verhindern. Vor allen Dingen aber wird die Abgasbelastung in unserer Region durch das treibstoffsparende gleichmäßige Durchfahren der zudem auch noch kürzeren Strecke deutlich verringert. Auch wenn dann das eine oder andere Fahrzeug mehr durch unsere Gegend fährt. Und so manches Haus, das ohne die A 39 in absehbarer Zeit unbewohnt bleibt, wird durch die A 39 für Pendler nach Wolfsburg, Braunschweig, Lüneburg und Hamburg wieder interessant und vom Abbruch oder Verfall bewahrt.

Vielleicht glaubt der eine oder andere ja, dass ich „gut reden kann, weil ich weit weg vom Schuss wohne“. Wir haben über 20 Jahre direkt am Rhein in Köln in nur rund einem Kilometer Entfernung von einer der meistbefahrenden Autobahn Deutschlands gewohnt. Die Autobahnen und die in wenigen hundert Metern Höhe über uns hinwegfliegenden Flugzeuge zum Flughafen Köln haben uns nicht gestört. ...

Die Energie, die gegen die Fertigstellung der A 39 „verbrannt“ wird, würde besser eingesetzt, wenn sie für „blühende Landschaften“ (wobei ich nicht die von Helmut Kohl meine) eingesetzt würde. Wie schön ist der „Blühstreifen“ an der Umgehung von Uelzen an der B 4! Und wie trist sehen die flächenmäßig großzügigen Grünstreifen an den anderen Straßen aus.

Dabei würden einige tausend Euro für entsprechendes Saatgut und die Aussaat sowie der Verzicht auf das Mähen vor Ende September sehr schnell auch hier für blühende – und damit insektenfreundliche – Landschaften sorgen. ... Man sollte seinen Widerstand gegen den Weiterbau der A 39 fallen lassen und stattdessen die Gemeinderäte und Bürgermeister „auf Trab“ zu Gunsten von Blühstreifen, Streuobstwiesen auf gemeindeeigenem Brachland bringen. Damit tut man nicht nur etwas für die Natur, sondern auch für sich und seine Kinder.

Norbert Blazytko, Nateln

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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