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„Man lässt die Bürger allein“

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Eine jährliche Summe von 116 700 Euro für den Erhalt der Grundschule Molzen müsste für die Stadt machbar sein, meint Marit Hacke aus Pieperhöfen. 
Foto: Huchthausen
Eine jährliche Summe von 116 700 Euro für den Erhalt der Grundschule Molzen müsste für die Stadt machbar sein, meint Marit Hacke aus Pieperhöfen. Foto: Huchthausen

Die Uelzener Politik diskutiert die Zukunft der Grundschullandschaft. Schließungen von Bildungseinrichtungen sind möglich. Der Gedanke daran lässt die Wellen hochschlagen – zahlreiche Lesebriefe erreichten die AZ. So schreibt Marit Hacke aus Pieperhöfen:.

Die Stadt Uelzen und der Schulausschuss waren wohl in Mathematik auf der falschen Schule! Wer eine intakte, sanierte, qualitativ hochwertige Schule mit Ganztagsangebot schließen möchte, um ein lohnendes Verkaufsobjekt zu bekommen, welches nötige Umbaumaßnahmen in Westerweyhe oder Oldenstadt finanziert, macht einen logischen Fehler. Es wird kein Geld gespart, wenn man funktionierende Objekte umziehen lässt (siehe auch Kreisvolkshochschule).

Wenn Herrn Lukat außerdem 5,5 Mio. Euro Verlust beim Ukraine-Projekt der Stadtwerke nicht umhauen (Zitat), dann sollten doch 116 700 Euro jährlich für den Erhalt der Grundschule Molzen machbar sein.

Warum müssen die Kinder für die Fehler der Erwachsenen büßen? Masse statt Klasse hat noch niemanden genützt.

Für einen Wasserpfad ist Geld da

Ingetraud Schmäcke aus Uelzen meint zu der drohenden Schließung der Grundschule Veerßen:

Da hat sich die Verwaltung und die Politik der Stadt Uelzen mal wieder fein etwas ausgedacht. So ganz plötzlich müs-sen Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden und die Schule sofort nach den Sommerferien geschlossen werden. Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

Es soll gespart werden, auf Kosten unserer Kinder und der Bildung. Aber für einen Wasserpfad in der Fußgängerzone ist Geld da, auch wenn ein Teil aus Brüssel kommt – so sind dies doch unsere Steuergelder. Dabei gibt es in Veerßen einen Generationswechsel. Wer mit offenen Augen durch die Straßen geht, kann das sehen. Dass viele Häuser verkauft worden sind und noch zum Verkauf anstehen. Meistens sind es junge Familien, die hier herkommen.

Das Angebot an Kindergarten und Schule spielt auch eine Rolle, um herzukommen. Ist das nicht wichtiger, als zu hoffen, dass durch einen Wasserpfad mehr Touristen durch die Innenstadt kommen?

Annerose Klett aus Uelzen schreibt:

Dass auch Schüler, die sonderpädagogischer Unterstützung bedürfen, an die gleichen Schulen gehen sollen wie alle anderen, bietet allen Kindern eine echte Chance. Den einen, sich zu integrieren, und den anderen, Toleranz zu erlernen. Inklusion lautet dafür der pädagogische Fachbegriff. Viele große Schulen wurden nun schnell behindertengerecht ausgestattet. Was dabei aber scheinbar vergessen wird, ist, dass für Kinder mit größerem Förderbedarf aber vor allem andere Aspekte als eine behindertengerechte Einrichtungen und behindertengerechtes Arbeitsmaterial wichtig sind.

Bei Inklusion ist das Umfeld wichtig

Diese Kinder brauchen kleine einsträngige Schulen, wo sie sich selbstständig zurecht finden können, denn nur an diesen Schulen haben sie auch die Chance, sich wohl zu fühlen. Und nur wenn sie sich wohl und sicher fühlen, haben Sie die Chance, die nötige Konzentration zu entwickeln, sich auf den Unterricht zu konzentrieren.

Mein Sohn darf die Schule Veerßen wie auch viele andere Kinder nur besuchen, da dem Antrag auf Ausnahmegenehmigung zugestimmt wurde. Diese Zustimmung erfolgte, da er an einer mehrsträngigen Schule auch mit Hilfe nicht die Chance hätte, sich zurecht zu finden. Bei Inklusion ist es doch vor allem wichtig, ein Umfeld für die Kinder zu schaffen, in dem sie sich sicher fühlen und sich selbständig bewegen können. Die Schließung der kleinen Schulen wie Veerßen bedeutet, unseren Kindern diese Chance zu nehmen.

Auch Ingo Schmidt aus Uelzen verfasste einen Leserbrief zum Thema Grundschullandschaft:

Nun so kurz nach der Bürgermeisterwahl – der Zeitpunkt ist wirklich gut gewählt, zur nächsten Wahl ist es schließlich noch lange hin – wird wieder einmal über die Schließung der kleinen Grundschulen diskutiert. Der Zukunftsvertrag ist geschlossen, aber nun hat man andere Pläne. Das eingesparte Geld, welches die Schließung der kleinen Grundschulen einbringt, soll jetzt in ein Ganztagsangebot für alle Grundschüler eingesetzt werden. Aber ist es wirklich notwendig, ein Ganztagsangebot für alle Grundschüler vorzuhalten und hier enormes Geld zu investieren?

Ist ein Ganztagsangebot an allen Schulen nötig?

Schließlich stand in dem Artikel am Mittwoch zu lesen, dass nur 35 Prozent aller Eltern ein solches Angebot in Anspruch nehmen würden. Warum brauchen wir dann dieses Angebot für alle Schüler ? Gäbe es nicht auch andere Wege, dem Elternwunsch nach Ganztagsbetreuung zu entsprechen und zusätzlich die kleinen Grundschulen zu erhalten ? Hätten wir beispielsweise eine Wahlfreiheit der Eltern, an welcher Grundschule sie ihre Kinder anmelden, wäre möglicherweise nicht für alle Grundschulen ein Ganztagsangebot nötig, sondern nur für einige. Und mit Sicherheit würden von einem Wettbewerb auch so kleine Grundschulen wie Molzen profitieren, denn dann könnten Eltern aus anderen Einzugsgebieten ihre Kinder an solchen Grundschulen anmelden, die einen besonders guten Ruf genießen.

Auch Petra Meyerhoff aus Uelzen äußert sich zum Thema:

Da faseln die Politiker in Bund und Land von der Herausforderung, das Schulsystem und die Lehrer für die Zukunft fit zu machen, und was passiert tatsächlich? Durch so genannte „Zukunftsverträge“ forciert man in Stadt und Kreis, dass kleine und individuelle Schulen aus Kostengründen schließen müssen. Man verlagert den Druck einfach nach unten und lässt die Bürger allein und gegenseitig auf sich einprügeln. Es ist eine Schande! Merkel und Schäuble stellen beziehungsweise setzen sich hin und verkünden das Ende der Neuverschuldung. Aber zu welchem Preis?

Die Straßenränder in manchen Gemeinden und in Uelzen sehen schon aus wie Hulle. Und nun „müssen“ auch noch die Schulen schließen, die ihre Schüler am besten betreuen können. Plötzlich treten Renovierungskosten auf, die über Jahrzehnte aufgeschoben wurden. Es ist ein Tollhaus. Und die braven Bürgermeister und Räte machen bei dem Spiel fleißig mit.

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