Lukats Zungenakrobatik

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Jetzt hat die Seele endlich Ruh', werden vermutlich nicht Wenige sagen, denen die Uelzer Nazistraßennamen-Diskussion schon immer zum Halse raushing, und die mit Farina- und Seebohmstraße prächtig leben konnten, obgleich beide Schmiermittel des NS-Systems waren. Den endgültigen Schlusspunkt in Sachen der beiden neuen Straßennamen wird Uelzens Rat zwar erst mit dem 13.12. setzen. Nach allen Erfahrungen ist das allerdings nur noch eine reine Formsache. Denn punktgenau am 11.11. mit dem Einläuten der Karnevalssaison, hat Uelzens Kulturausschuss zwar weder mit Helau noch mit Alaaf, jedoch ohne Diskussion und mit überwältigender Mehrheit beschlossen, der Seebohmstraße den Namen „Am Funkturm“, und der Farinastraße den Namen „Am Stadtgut“ zu verpassen. Ob gerade „Am Stadtgut“ der Weisheit letzter Schluss ist, ob intelligent, originell, klug und weise, oder nur als eine Art Verlegenheitslösung, sei mal dahingestellt. Interessant war immerhin, dass sich in der Kulturausschusssitzung ein Anlieger noch vor der Abstimmung zu Wort meldete und die Ausschussmitglieder daran erinnerte dass man als geschichtsbewusster Mensch sich bei Erwähnung des Straßenname „Am Stadtgut“ sogleich daran erinnert, dass am Stadtgut - wenn auch in grauer Vorzeit - doch eine große städtische Mülldeponie für Bauschutt gewesen sei. Deshalb sei „Am Stadtgut“ ja wohl nicht gerade ein zielführend positives, werbewirksames Aushängeschild für Uelzen. Die vorgeschlagene Alternative „Am Stern“ sei zwar sympathisch, meinte Büttenredner Lukat. Die riesige ehemalige Müllhalde intuitiv in Verbindung zu bringen mit „Am Stadtgut“, focht die Kulturausschussmitglieder jedoch nicht an. Im Gegenteil: Diese unsympathische Assoziation hatte es ihnen ersichtlich angetan. In der Abstimmung blieb es bei „Am Stadtgut“.

Aber das war noch das Banalste. Der Begründung der von seiner Verwaltung und ihm präferierten beiden neuen „neutralen“ Straßennamen stellte Lukat voran, zwar könne er sich mit einigen aus Kreisen der Bevölkerung vorgeschlagenen Straßennamen identifizieren, die Bezug nähmen zu örtlichen NS-Opfern. Allerdings wolle er sich nicht der Peinlichkeit aussetzen, unter ihnen abzuwägen, weil jetzt ja nur zwei Straßen neue Namen bekommen. Man könne ja so verfahren: Wenn in Uelzen irgendwann aufgrund von Neubaugebieten mal neue Straßen entstünden, dann dort die eine oder andere Straße nach einem örtlichen Opfer der NS-Barbarei zu benennen. Und deshalb sei er dafür, dass jetzt keine der beiden Straßen durch den Namen eines örtlichen NS-Opfers geehrt werde. Eine, mit Verlaub, ebenso abstruse wie geschichtsverdrängende, klägliche Argumentation, so etwas auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben. Diese Gedankenakrobatik liegt allerdings auf gleicher Linie Lukats, wie man sie bereits aus der AZ vom 2.11. kennenlernen konnte, wenn er erklärte, er halte es für eine Biberforderung, nach der Straßennamen-Beseitigungsbeschluss vom 21. Juni die Menschen jetzt auch noch mit Straßennamen von lokalen Opfern der NS-Barbarei zu überfrachten. Da fragt man sich doch spontan: Seit wann und wodurch legitimiert das Amt des Bürgermeisters, quasi wie ein Oberlehrer oder Übervater, ein Psychologe oder Psychiater, darüber zu befinden, was Uelzens Bürger politisch-intellektuell überfordert, oder ihr (mit-)menschliches Koordinatensystem durcheinander bringt? Im Interesse der NS-Opfer hätte es ihm wahrlich besser angestanden, sich ein Beispiel an seinem Celler Amtskollegen zu nehmen, der in Sachen Nazistraßennamen-Umbenennung auf „den Mut der Politik“ setzt. Daran mangelt es offensichtlich nicht nur Uelzens Stadtvertretern im Kulturausschuss, sondern auch Bgm. Otto Lukat.

Borvin VVulf, Suderburg

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