Lkw-Verkehr zu Lasten aller

Ob grundsätzlich wirtschaftliches Wachstum und ständig etwas modisch und technisch Neues – wie eine Autobahn – sein müssen, zweifelt AZ-Leser Borvin Wulf an.
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Ob grundsätzlich wirtschaftliches Wachstum und ständig etwas modisch und technisch Neues – wie eine Autobahn – sein müssen, zweifelt AZ-Leser Borvin Wulf an.

Borvin Wulf aus Suderburg reagiert auf den Leserbrief von Claus-Dieter Reese „Der Güterverkehr braucht die A 39“ (AZ, 6. Februar 2015).

Interessant und ihn zugleich entlarvend ist Claus-Dieter Reeses Leserbrief, welche Fakten er nicht erwähnt, von seinen Rundumschlägen auf „ideologisch Verblendete unter den Gegnern“ fast nicht zu reden.

Eckehard Niemann hat mit seiner Argumentation recht, wenn er erklärt, wer – wie Herr Reese und die CDU im Landkreis Uelzen – gegen eine Zerschneidung der Landschaft durch eine Y-Trasse sei, müsse, wenn er aufrichtig ist und den Gesetzen der Logik folgt, dieses richtige Argument auch auf die geplante A 39 anwenden.

Zum Faktencheck gehört ebenso: Auch aus Kreisen der CDU wird – völlig richtig(!) – argumentiert, dass eine Neubau-Y-Trasse noch unberührte Natur und Landschaft nicht nur zerschneidet, sondern sie unwiderruflich zerstört; dass land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen zerrissen und dadurch wirtschaftliche Existenzen gefährdet werden; dass die Vorbeiführung einer neuen Eisenbahntrasse an Siedlungsgebieten einen Werteverfall von privaten Grundstücken und Gebäuden nach sich zieht, wie neue oder zusätzliche Eisenbahntrassen neben bereits bestehenden eine auf die Nerven gehende schleichende Krankmachung mit sich bringen können.

Auch diese Fakten sind auf die geplante A 39 übertragbar. Sie verschwinden nicht dadurch aus der Welt, indem man ausschließlich das Problem regionaler wirtschaftlicher Entwicklung, eventuell mögliche neue Firmenansiedlungen, und dass man auf einer Autobahn manchmal etwas schneller als auf einer Bundes- oder Landstraße von A nach B kommt, in den Mittelpunkt der Pro-und-Contra-A 39-Güterabwägung rückt, aber alle negativen Faktoren und Implikationen einer A 39 ausblendet.

Dass zurzeit nur 20 Prozent aller Güter per Bahn transportiert werden, hat auch damit was zu tun, dass Lkws sich flexibler auf die Just-in-time-Erfordernisse von Industrie, Handel und Gewerbe einstellen können, dies allerdings auf Kosten der Allgemeinheit, denn der Straßen- und Brückenverschleiß insbesondere durch den Schwerlastverkehr ist immens.

Das Kardinalproblem: dass wir meinen, ständig noch mehr wirtschaftliches Wachstum und ständig was modisch und technisch Neues haben zu müssen. Deshalb: Brauchen wir wirklich einen ständig zunehmenden Güterverkehr?

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