„Linie des Beschwichtigens“

Zum Leserbrief „Menschliches Fehlverhalten“ von Klaus Bullerjahn (AZ vom 22. Mai) schreibt Stefan Stern aus Bad Bevensen:

Der Leserbrief ist das Beste, was ich in den letzten Wochen an Kommentaren zum Thema Wolf gelesen habe. Zeugenaussagen als unglaubwürdig zu negieren, der Presse reißerische Berichterstattung vorzuwerfen und bei denjenigen die Fähigkeit zur Toleranz in Frage zu stellen, die dem Wolfshype kritisch gegenüber stehen, ist dreist.

Die Dünnhäutigkeit, mit der einige Wolfsbefürworter auf die zunehmend kritischer werdenden Fragen aus der Bevölkerung reagieren, macht wachsende Nervosität deutlich. Auf einer Krisensitzung zahlreicher bestätigter Wolfsberater aus der Region vor einigen Wochen soll es dem Vernehmen nach hoch hergegangen sein: Zahlreiche Ehrenamtliche sind nicht mehr gewillt, die offizielle Linie des Beschwichtigens weiter mitzutragen.

In einem Punkt allerdings vermag ich Klaus Bullerjahn nicht zu folgen: Womit hat sich der Wolf „wohlmeinende Toleranz“ verdient? Toleranz kann, ebenso wie Solidarität, nicht eingefordert werden, sondern sollte freiwillig gewährt werden. Ganz offensichtlich sind nun aber immer mehr Menschen nicht mehr bereit, ein potentiell gefährliches Raubtier in ihrer unmittelbaren Umgebung zu ertragen und zu erdulden (lat. tolerare).

Den angedrohten EU-Sanktionen zum Trotz haben die Schweden zum Beispiel im Januar in nur drei Tagen 20 Wölfe erlegt. In dem dünn besiedelten skandinavischen Land hält man eine Wolfspopulation von ca. 250 Individuen für tragbar, der Überhang wird alljährlich zur Strecke gebracht.

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