Christlich-demokratisches Schauspielhaus

Leserbrief zum Auftritt von Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann beim CDU-Bürgerforum, AZ vom 9. Januar:

Wenn man Jemandem, wenn er als Politiker im Wahlkampf mit großen Gesten, gespielter Mimik, wohltemperierter Lautstärke und einer geschickten Mi­mikry auftritt, kein oder nur sehr bedingt Vertrauen schenken darf, dann ist es der eloquente CDU-Staatssekretär Enak Ferlemann, ein schauspielern­der Sprücheklopfer.

Durch die Blume hat das Kai Hasse in seiner Glosse "Am Rande" geschickt rübergebracht, auch wenn sein Vergleich von Ferle­mann mit dem weltberühmten Dirigenten und Pianisten Sergei Rachmaninow nun wirklich eine Beleidigung des begnadeten Interpreten von Chopin, Liszt und Tschaikowsky darstellt, zeichnete sich Rachmaninow doch gerade durch c- und cis-Moll aus und hatte in seinem Œuvre nichts Rabaukenhaf­tes.

Vorschnelle Urteile von Ferlemann über die A 39 werden von Pro ,-A-39-friends gerne nachgefragt, ebenso wie die Verurteilung der A-39-Gegner. Und Ferlemann liefert. Immer. Der angeblich zwingenden Notwendigkeit we­gen. Was Ferlemann in Veerßen zum Besten gab, waren Versprechungen und Behauptungen, die keiner kritischen -überprüfung standhalten, zumal er in 12 Jahren als Staatssekretär längst wieder vom Fenster weg sein kann. Zitat Ferlemann: "2025 kann der Lückenschluss der A 39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg komplett befahren werden." "Dann steht die Finanzierung der A 39?", fragte der finanzerfahrene ehemalige Handwerksmeister Claus ­Dieter Reese skeptisch nach. "Natürlich können wir das bezahlen", ant­wortete Ferlemann großspurig mit Nachdruck.

Das ist mehr als waghalsig. Man lese nur mal den aktuellen Bericht der Daehre-Kommission, benannt nach dem früheren sachsen-anhaltinischen Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Dort erfährt man, dass in Bund und Ländern allein für Be­trieb und Erhalt der Verkehrswege 7,5 Milliarden Euro fehlen, gerechnet auf 15 Jahre. Ferlemanns Aussagen erinnern denn auch an Christian Wulff, als der noch Ministerpräsident von Niedersachsen war, der laut AZ vom 12. August 2003 erklärte, "Im Jahr 2009 kann die A 39 fertig sein". Heute schreiben wir bekanntlich 2013. Und zur Zeit ist, von Lüneburg aus südlich sowie in um­gekehrter Richtung, noch nicht ein einziger Meter gebaut.

Ferlemann tut so, als finanziere sich die A 39, ebenso wie die geplante A 20, wie selbstverständlich so eben mal aus der Portokasse. Aussprüche wie "Güter­verkehr und Logistik funktionieren nicht mit dem Rad", haben das Niveau bayerischer Politikerauftritte in Wildbad Kreuth, wo stets ordentlich auf die Pauke gehauen wird.

Warum ausgerechnet die A 39 von der CDU/FDP ­Bundesregierung 100 Prozent gerichtsfest geplant sein soll, wie von Fer­lemann behauptet, um spätestens durch EU-Recht nicht gekippt werden zu können, weiß vermutlich nicht einmal "Der einzige rote (abgebildete Weihnachtsmann), dem man vertrauen kann…“, wie es in der Postkartenwerbung der CDU Niedersachsen heißt. Das ist schon bezeichnend, dass man in der CDU immer noch an den Weihnachtsmann glaubt.

Borvin Wulf,

Suderburg

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