Zu den Gleiskapazitäten im norddeutschen Raum

Leserbriefe: Potenzial für Fernverkehr

Dass die Region vom Fernverkehr abgeschnitten wird, wenn eine Neubautrasse kommt, das glaubt AZ-Leser Rudolf Breimeier nicht.
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Dass die Region vom Fernverkehr abgeschnitten wird, wenn eine Neubautrasse kommt, das glaubt AZ-Leser Rudolf Breimeier nicht.

Mehr Gleiskapazitäten sollen im norddeutschen Raum geschaffen werden. Aber wie? Mit einem Ausbau der Bestandsstrecken, wie vereinbart, oder doch mit einer Neubaubaustrecke entlang der A7, die geprüft wird? Zur Berichterstattung erreichten uns Zuschriften:

Bereits die Schlagzeile auf der ersten Seite der AZ vom 31. August – „Kein Fernverkehr, dafür mehr Güterzüge?“ – für den Fall einer Aufwertung des Schienenprojekts „Alpha E“ zu einer Neubaustrecke bestärkt Vorurteile, die durch die Realität nicht gestützt werden. Wider Erwarten dienen die Neubaustrecken Hannover-Würzburg sowie Mannheim-Stuttgart während der Nachtstunden auch dem Güterverkehr.

Da ein Neubauprojekt in der Achse Hamburg-Hannover den bisherigen Umweg der Bestandsstrecke von 20 Kilometern vermeidet, lässt sich der neuerdings geplante Deutschland-Takt mit einer Geschwindigkeit der ICE-Züge von nur 230 Stundenkilometer einhalten, die auch Begegnungen mit Güterzügen erlaubt. Eine Neubaustrecke Hamburg-Hannover/Celle würde die Bestandsstrecke also auch während der Tagesstunden von Güterzügen und den meisten ICE-Zügen entlasten, die in dieser Relation keinen Zwischenhalt einlegen.

Die mögliche Befürchtung, Lüneburg, Uelzen und Celle würden – vergleichbar der Situation von Elze, Alfeld Kreiensen und Northeim zwischen Hannover und Göttingen – durch eine Neubaustrecke vom Schienenpersonen-Fernverkehr abgeschnitten, ist gegenstandslos. Das nördlich Hannovers erschließbare Reisenden-Potenzial der Mittelstädte ist mit etwa 180 000 Einwohnern rund dreimal so groß wie südlich unserer Landeshauptstadt und rechtfertigt ein eigenständiges Fernverkehrsangebot.

Welche Argumente sprechen hiernach für den bislang favorisierten (vor allem in den Bahnhöfen sehr komplizierten, kostenträchtigen, zeitaufwändigen, das Angebot einschränkenden und in die bestehende Bebauung eingreifenden) Ausbau „unter dem rollenden Rad“ der Bestandsstrecke, der den gesamten Schienenverkehr auf einer einzigen Achse im dichtest besiedelten Korridor Lüneburg – Uelzen in der Ostheide konzentriert?

Die aufgrund der Energiewende notwendige Verkehrswende stärkt die Bedeutung der Eisenbahn, weil sie bereits weitgehend elektromobil ist und sich gegenüber den übrigen Verkehrsmitteln durch eine wesentlich sparsamere Energienutzung auszeichnet. (...)

Es ist kaum bekannt, dass die Eisenbahn im Hafen-Hinterlandverkehr Hamburgs den Lkw als wichtigsten Verkehrsträger inzwischen abgelöst hat.

Sie benötigt daher zwischen den Großräumen Hamburg und Hannover/Celle zwei zusätzliche Gleise. Der Ausbau des Schienennetzes in dieser Relation ist für das Gemeinwohl Deutschlands damit wichtiger als der (ohne ein Dialogforum) geplante Neubau der Autobahn A 39. (...) Rudolf Breimeier, Bad Bevensen

Das „Aus für Alpha“ bedeutet: kein Fernverkehr mehr für Lüneburg, Bad Bevensen, Uelzen und Celle. Denn die Fahrzeit-Einsparung kann nur auf der neuen Schnellstrecke an der A7 erreicht werden. Wenn das im Sinne des Bürgers Bad Bevensen ist, keinen Fernverkehr, aber noch mehr Güterverkehr auf der Bestandsstrecke zu wollen, dann müssen sie für die Neubaustrecke votieren. Klaus Machel, Uelzen

Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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