Ersparnisse „verschimmeln“

Leserbrief zum Ausschütten der Gewinne bei Daimler

Mit Parolen wie „Lockdown für Dividenden“ oder „Keine Staatshilfen an Aktionäre“ protestierten die Aktivisten am Postdamer Platz in Berlin. Foto: DPA
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Mit Parolen wie „Lockdown für Dividenden“ oder „Keine Staatshilfen an Aktionäre“ protestierten die Aktivisten am Postdamer Platz in Berlin.

Die Bürgerbewegung Finanzwende und die Umweltorganisation BUND haben bei der Aktionärsversammlung von Daimler gegen das Ausschütten von Gewinnen protestiert. Zum Artikel „Protest gegen Daimler-Dividende“ in der AZ-Ausgabe vom 1. April erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Vorweg: Ich besitze keine Aktien von Daimler und bin auch über Investmentfonds nicht daran beteiligt, aber ich habe ein wenig gerechnet und recherchiert, und das hätten die Demonstrierenden auch tun sollen, bevor sie auf sich aufmerksam machten.

2020 zahlte Daimler pro Aktie 0,90 Euro Dividende. Nach Abzug der ca. 26 Prozent Steuern war das weniger als die Inflationsrate. In diesem Jahr soll es eine Dividende von 1,35 Euro geben, nach Abzug der Steuern gerade ein Inflationsausgleich, nach Ansicht der Demonstrierenden aber „moralisch verwerflich“.

Und wer sind die Anteilseigner von Daimler? 21 Prozent sind Privatanleger, und dazu gehören auch viele Werksangehörige. 54 Prozent sind „institutionelle“ Anleger. Dazu gehören zum Beispiel Pensionskassen oder auch die deutsche Rentenversicherung.

Es sind Menschen, die ihre Altersversorgung ein wenig aufbessern möchten, um nicht dem Staat zur Last zu fallen. Für US-Amerikaner ist es selbstverständlich, dass sie fürs Alter etwas zurücklegen, sobald sie richtig verdienen. Sie kaufen zum Beispiel Aktien, auch deutsche.

Die Deutschen jedoch haben seit Bismarcks Sozialgesetzgebung im 19. Jahrhundert die Altersrente oder als Beamte eine Pension und denken nicht daran, fürs Alter etwas zurücklegen.

Die Folge: Nur 33 Prozent der Daimler-Aktien sind in deutscher Hand. Der Staatsfonds von Kuwait und ein chinesischer Investor haben gerne zugegriffen. Und was machen die Deutschen mit ihren Ersparnissen? Sie horten das Geld auf Spar- und Girokonten, wo es keine Zinsen bringt. Im Augenblick „verschimmeln“ dort (laut der Zeitung „Die Welt“) 1,9 Billionen Euro. Wir tun damit aber ein gutes Werk, denn unser Finanzminister braucht kaum Zinsen für die hohen neuen Schulden zu zahlen. Karl Jongeling, Uelzen

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