„Vorstellung ist unerträglich“

Leserbrief zum Artikel „Tote werden in 40 Tagen zu Humus“

Sterbebett
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Das Umgehen mit den Toten ist auch für die Zurückbleibenden von größter Bedeutung, meint dieser AZ-Leser.

Zum Artikel „Tote werden in 40 Tagen zu Humus“, AZ vom 8. Juli, schreibt dieser Leser:

Der Bericht lässt mich erschrecken und schaudern. Werden die Rechte und die Würde von Gestorbenen bisher häufig mit Blick auf ökonomische Gesichtspunkte eingeschränkt – es darf nicht teuer sein – kommt jetzt anscheinend ein ökologisches Argument ins Spiel: Es soll für die Umwelt verträglich sein. Beides kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es um eine baldige Entsorgung der Toten geht. Es ist ein besonderes Kennzeichen unserer Kultur und Geschichte, dass Tote ihre Würde und ihr Recht behalten, auch noch Jahrzehnte nach ihrem Tod. Sie sind diejenigen, denen wir unser Leben verdanken.

Das Umgehen mit den Toten ist auch für die Zurückbleibenden von größter Bedeutung. Mit dem Abschied und in ihrer Trauer müssen sie ihren ganz eigenen Weg finden. Die Vorstellung, der Gestorbene liegt 40 Tage – es ist der Zeitraum, der für die erste Trauer entscheidend ist – in einer Kompostieranlage für Tote, ist unerträglich.

Es heißt, „die Verwaltung ist grundsätzlich aufgeschlossen“ für dieses Vorhaben. Allen Verantwortlichen ist dringend zu wünschen, dass sie etwas von dem kalten Schauder spüren, der von diesen Ideen ausgeht. Die Vorstellung, irgendwo im Kreisgebiet wird es solche Kompostieranlage für Tote geben, lässt die Haare zu Berge stehen. Bei den Toten nicht mehr – vielleicht ja doch. Dr. Burkhart Mecking, Uelzen.

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