Der Leser hat das Wort

Leserbrief zum Artikel „Ausbau der Bestandsstrecke passé?“

AZ-Leser Rudolf Breimeier ist davon überzeugt, dass der gleichzeitige Betrieb von ICE und Güterzügen auf einer gemeinsamen Strecke auch in Zukunft möglich ist. foto: dpa
+
AZ-Leser Rudolf Breimeier ist davon überzeugt, dass der gleichzeitige Betrieb von ICE und Güterzügen auf einer gemeinsamen Strecke auch in Zukunft möglich ist.

Auf den Artikel „Ausbau der Bestandsstrecke passé?“ (AZ vom 16. Juli) reagiert dieser Leser:

Das Dialogforum Schiene Nord hat im Jahr 2015, also vor sechs Jahren, getagt. Dessen Entscheidungen beruhen auf einer Verkehrsprognose für das Jahr 2030. Datengrundlage dieser 2014 veröffentlichten Vorausschau ist das Jahr 2010. Seit den genannten Zeiten haben sich aufgrund des Klimawandels die Energie- und damit auch die Verkehrspolitik grundlegend gewandelt.

Bereits im Dezember 2015 hat sich die Bundesregierung zum UN-Klima-Abkommen von Paris verpflichtet, das eine erhebliche Reduzierung der klimaschädlichen Kohlendioxyd (CO2)-Emissionen und damit eine Verminderung des Einsatzes fossiler Energieträger vorsieht. Dies hat insbesondere für den energie-intensiven Automobilverkehr Konsequenzen.

Abhilfe kann vor allem die mit Ökostrom betreibbare Eisenbahn bieten, zumal sie bei gleicher Verkehrsleistung gegenüber dem Straßenverkehr nur rund ein Drittel des Energieaufwands benötigt. An dieser Aussage ändert auch die für den Straßenverkehr geplante Elektromobilität nichts. Im Vergleich mit der bereits weitgehend elektromobilen Eisenbahn sind auch elektrische Pkw und Lkw „Energiefresser“.

Um CO2-Emissionen im Verkehr einzudämmen, sieht daher die Bundesregierung eine teilweise Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene vor. Dies bedeutet für die Eisenbahn Steigerungsraten im Personen-Fernverkehr von 100 Prozent sowie im Güterverkehr von 50 Prozent. Hiermit geht die Bundesregierung über die dem Dialogforum zugrundegelegenen Voraussetzungen einer Verkehrsprognose für 2030 weit hinaus.

Angesichts dieses Sachverhalts baut die aktuelle Diskussion zwischen dem Dialogforum und der Deutschen Bahn AG über die Leistungsfähigkeit der bislang öffentlich favorisierten Dreigleisigkeit des Streckenabschnitts Lüneburg – Uelzen auf falschen, nicht mehr zeitgemäßen Voraussetzungen auf. Die Grundlage dieser Diskussion, ein vom Dialogforum in Auftrag gegebenes Gutachten, ist zudem nicht als fachmännisch einzustufen.

Der Politik sei empfohlen, das unwürdige Schauspiel einer Scheindebatte über „Fakes“ zu beenden, die Eisenbahn nicht – wie bislang vielfach – „im Regen stehen zu lassen“ sowie die abermals geäußerte Befürchtung zu entkräften, Lüneburg, Uelzen und Celle würden durch eine eventuelle Neubaustrecke vom Schienenpersonen-Fernverkehrs abgeschnitten.

Ein kurzes Neubauprojekt Ashausen/Winsen-Unterlüß der Bahn in der Achse Hamburg-Hannover bietet die Möglichkeit, den bisherigen Umweg der Bestandsstrecke von mehr als 20 Kilometern und damit überhöhte Kosten für den weiträumigen Personenfern- und Güterfernverkehr zu vermeiden. Hiermit lässt sich der Deutschland-Takt mit einer Geschwindigkeit der ICE-Züge von nur 230 km/h einhalten.

Diese Maximalgeschwindigkeit schneller Züge bietet die Chance, auf einer gemeinsamen Strecke den gleichzeitigen Betrieb von ICE und Güterzügen zu ermöglichen. Bei höheren ICE-Geschwindigkeiten sind Begegnungen mit Güterzügen aus aerodynamischen Gründen ausgeschlossen. Rudolf Breimeier, Bad Bevensen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare