Leserbrief: Verwaltung des Mangels

Die Leitpfosten entlang der B  4 sorgen bei den Lesern für Verwunderung und Kritik.
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Die Leitpfosten entlang der B  4 sorgen bei den Lesern für Verwunderung und Kritik.

Die Leitpfosten, die auf der B 4 aufgestellt wurden, und der Artikel „Leitpfosten für mehr Sicherheit“ (AZ vom 23. August) beschäftigen die AZ-Leser.

Uelzen schafft sich ab! Ich gebe zu, die Überschrift ist in Anbetracht des abgewandelten Buchtitels etwas reißerisch. Aber „Clickbaiting“ im Jahr 2021 wird wohl noch erlaubt sein.

Apropos 2021: Sieht so moderne Verkehrspolitik aus, die gerade, zumindest teilweise, auf der B 4 zwischen Uelzen und Lüneburg (in beiden Fahrtrichtungen) betrieben wird? Ich spreche selbstverständlich von den neu gesetzten Leitpfosten, die sich rein optisch mitten auf der Fahrbahn befinden. Als kurze Anmerkung sei dargestellt, dass ich 33 Jahre jung bin, als Polizeibeamter meinen Dienst versehe, vor Kurzem einen Sehtest absolviert habe und auf dem Abschnitt seit circa elf Jahren mit dem Pkw pendele.

Doch sorgt diese „bauliche“ Veränderung für wirklich mehr Verkehrssicherheit? Für mich bewirkt sie sogar das Gegenteil und sorgt bei vielen Verkehrsteilnehmern für große Unsicherheit, was sich nicht zuletzt an den diversen bereits umgefahrenen Leitpfosten beweisen lässt. Soll zum Beispiel ein größeres Gespann wie ein Traktor mit Anhänger überholt werden, muss man vorher gefährlich weit nach links auf die Gegenfahrbahn ziehen, um freie Sicht zu haben. Es entstehen neue gefährliche Situation, anstatt vorhandene Gefahren zu minimieren.

Für mich ist das seit Jahren eine Mangelverwaltung! Man sucht eine möglichst kostengünstige Lösung, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Etwas Zukunftsfähiges, Praktikables, was tatsächlich die Zahlen reduziert, ist dabei bisher nicht entstanden.

Aber zurück zur Überschrift: Wie möchte man die Attraktivität einer Stadt steigern, wenn man die Anbindungen an größere Städte immer mehr erschwert? Was kommt als Nächstes? Zone 50 von Uelzen nach Lüneburg? Die Emotionalität ist diesem Beitrag sicher anzumerken. Aber diese Strategie kann nun wirklich niemand mehr ernst nehmen. Für mich bleibt als einzige, nachhaltige Lösung der Ausbau auf vier Fahrstreifen mit baulicher Trennung oder der Bau der lang ersehnten A 39. Nick Motzny, Uelzen

Expertenrat? Laut Wikipedia ist ein Experte jemand, „der überdurchschnittliches Wissen auf einem Fachgebiet hat“. Zu dem oben angeführten Artikel stellen sich mir als Laien mehrere Fragen: Wie kann es sein, dass vor Jahren durch den Rat von „Experten“ auf der B 4 ab dem Bereich Tätendorf-Eppensen bis nach Bienenbüttel für viel Geld erst ein Mehrzweckstreifen gebaut wurde, damit dieser für mehr Sicherheit sorgen sollte, und jetzt wird, auch auf Anraten von „Experten“, die Fahrbahn durch Leitpfosten wieder verengt, um für mehr Sicherheit zu sorgen?

Langsame Lkw ab 7,5 Tonnen, die zumindest laut Straßenverkehrsordnung auf Bundes- und Landesstraßen 60 Stundenkilometer oder landwirtschaftliche Züge, die 40 Stundenkilometer fahren dürfen, sind bislang oft auf den Mehrzweckstreifen ausgewichen, um Autos, die bis vor einem Jahr in diesem Bereich 100 fahren durften, das schnellere und vielleicht auch sichere Überholen zu ermöglichen.

Wie kann es sein, dass es mit der jetzigen Regelung – Tempo 80 für alle Fahrzeuge in der Zeit von 6 Uhr bis 19 Uhr – sicherer sein soll, langsamere Fahrzeuge zu überholen, wenn der Geschwindigkeitsüberschuss maximal 20 Stundenkilometer betragen darf, wo man vor der eingeführten Geschwindigkeitsbegrenzung einen maximalen Geschwindigkeitsüberschuss von 40 km/h hatte und somit eine kürzere Überholzeit benötigte? Stefan Kraut, Esterholz

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich dabei Kürzungen vor.

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