Leserbrief: „Unverrückbar konserviert“

Wenn Lkw vor Ampeln oder aber in Ortschaften abgebremst und danach wieder beschleunigt würden, sei ein Mehrverbrauch an Diesel gegenüber einer gleichförmigen Autobahnfahrt von bis zu 70 Prozent realistisch, so AZ-Leser Jörg Rittinghaus.
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Wenn Lkw vor Ampeln oder aber in Ortschaften abgebremst und danach wieder beschleunigt würden, sei ein Mehrverbrauch an Diesel gegenüber einer gleichförmigen Autobahnfahrt von bis zu 70 Prozent realistisch, so AZ-Leser Jörg Rittinghaus.

Auf den Leserbrief „Die altbekannten Argumente“ (AZ vom 19. Mai) von Dr. Uwe Krieg zum Thema A 39 reagiert dieser Leser:

In dem Leserbrief werde ich direkt von Dr. Krieg angesprochen. Daher fühle ich mich veranlasst, auf seine Aussagen sowohl bestätigend, aber auch kritisch einzugehen. Meine Argumente sind tatsächlich altbekannt. Aber nicht nur „rund zehn Jahre alt“, sondern fast 30.

In meinem Leserbrief „Ist der Mensch etwa nicht Bestandteil der Natur?“ (AZ vom 12./13. September 1992) habe ich bereits die Argumentation des BUND gegen den Bau von Autobahnen kritisiert. Die Beschäftigungsmotivation zu dieser Thematik wurde durch die sehr hohe Zahl an Unfällen mit Personenschäden ausgelöst, die übrigens auf Autobahnen nicht vorkommen. Das heißt: Kollisionen mit Straßenbäumen sowie dem Gegen- und Querverkehr hat mich damals schon veranlasst, die Absicherung gegen Kollisionen mit Straßenbäumen, aber auch den zügigen Bau der vier- bis fünffach sichereren Autobahn in unserer Region zu fordern.

Nach über 20 Jahren fängt man allmählich an, Schutzplanken vor Straßenbäumen (zum Beispiel an der B 71) zu errichten. Der Lückenschluss der A 39 hingegen wird wahrscheinlich nach über 30 Jahren weiter stark behindert werden.

Meine bisherige Argumentation basiert im Gegensatz zur Behauptung im vorgenannten Leserbrief grundsätzlich auf wissenschaftlichen Untersuchungen. Das Bundesverkehrsministerium hat seit Jahrzehnten die vier- bis fünffach geringeren Todesopferzahlen auf Autobahnen wissenschaftlich belegt. Wenn nahezu der gesamte internationale Südost-Nord-Verkehr über die B 4 geleitet wird, sind schwere Unfälle der vorgenannten Typen vorprogrammiert. Ein 2+1-Ausbau der B 4 wäre eine ungünstige Alternative gegenüber dem fertig geplanten Teilstück der A 39. Eine dreispurige Neuplanung mit Umgehung mehrerer Ortschaften wie beispielsweise Melbeck wäre sehr aufwendig mit wahrscheinlichen Enteignungsverfahren und würde viel Zeit beanspruchen, in der auf der herkömmlichen B 4 weitere schwere Unfälle nicht zu vermeiden wären.

Eine weitere Unterstellung fehlender Wissenschaftlichkeit ist einfach zu widerlegen. Wenn bei einem 40-Tonnen-Schwertransporter auf der derzeitigen B 4 circa 15 mal vor Ampeln und in Ortschaften abgebremst und wieder beschleunigt werden muss, lässt schon ein physikalisches Verständnis erkennen, dass ein Mehrverbrauch an Diesel von 60 bis 70 Prozent gegenüber einer gleichförmigen Autobahnfahrt realistisch ist.

Zum Flächenverbrauch: Der Bau der Fahrbahn des Teilstückes A 39 würde circa 0,008 Prozent der Fläche Niedersachsens ausmachen. Ist es dafür angebracht, die gravierenden vorstehend aufgeführten Nachteile in Kauf zu nehmen?

Selbstverständlich bringt das relevante Bundesverfassungsgerichtsurteil und die Aktion von „Fridays for Future“ ökologisch positive Unterstützungen. Wobei es nicht um zusätzliche Verbote, sondern um ökologisch bedeutsame Innovationen geht. Die Akzeptanz der Bevölkerung, durch die Politik und ökologisch wichtige Forschung beflügelt werden, ist dabei wesentlich, um zum Beispiel riesige Off-Shore-Windkraftwerke, die schon geplant sind, zur Wasserstoffproduktion durchzusetzen.

Während die Aktionen von „Fridays for Future“ zur Stilllegung des Braunkohleabbaus in der Lausitz ökologisch sinnvoll sein können, sind für die Umsetzung der Folgen, zum Beispiel Abbau von 20 000 Arbeitsplätzen, andere zuständig wie das Tesla-Werk in regionaler Nähe, das zudem CO2 neutrale Pkw baut. Während in der derzeitigen Pandemie stetige Meinungsbildung der renommierten Wissenschaftler die Forschung weiterbringt, scheint bei den A-39-Gegnern die Meinung unverrückbar konserviert zu sein. Jörg Rittinghaus, Suhlendorf

Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen jederzeit vor.

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