Über die Wolfsjagd

Leserbrief: „Die Natur regelt sich selbst“

Kann ein Jäger eine säugende Fähe, hier ein Symbolbild, wirklich erkennen? Das fragt Dr. Rainer Altmann.
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Kann ein Jäger eine säugende Fähe, hier ein Symbolbild, wirklich erkennen? Das fragt Dr. Rainer Altmann.

Zum Bericht „Wolfsjagd läuft bereits“, AZ vom 23. Februar:

Wie ich den Zeilen entnehme, wurde eine Abschussgenehmigung für einen Rüden aus einem Rudel bei Ebstorf und eine Fähe aus einem Rudel bei Eschede erteilt.

In gleicher Mitteilung werden beide Tiere nicht als eindeutig identifizierbar beurteilt, so dass jeweils ein Rüde und eine nicht säugende Fähe abgeschossen werden können, egal, ob es sich um die beiden Tiere GW 1027 (Rüde) oder GW 242f (Fähe) handelt. Hören bei einem erfolgreichen Abschuss die Risse nicht auf, können weitere Tiere „der Natur entnommen“, das heißt, getötet werden, und dass offensichtlich solange, bis die Risse aufhören.

Nehmen wir einmal an, die von der Landesregierung bestallten Jäger können eine Fähe von einem Rüden unterscheiden. Ich bin mir als Nichtjäger nicht sicher, ob man eine säugende Wölfin aus der Ferne selektieren – in der Jägersprache „ansprechen“ – kann, es sei denn, sie säugt gerade. Das wäre wie ein Sechser im Lotto. Also könnte es sein, dass er die noch säugende Fähe erschießt, weil sie gerade auf Beutefang aus ist. Aber sie hat noch Welpen, irgendwo im Wald – und die werden dann ohne Muttertier qualvoll verhungern. Oder kann er etwa beim „Ansprechen“ das Gesäuge erkennen?

Es ist mir völlig unverständlich, wie ein Herr Lies, seines Zeichens Ex-Wirtschaftsminister und jetzt – austauschbare Politiker, weil allwissend – Umweltminister, solch eine Entscheidung billigte. Es führt letztendlich zur Ausrottung der Wölfe in Niedersachsen, weil, wenn Schafherden nicht gut geschützt werden, wie zum Beispiel in Rumänien oder anderen Ländern, es immer wieder zu Rissen in Schafsherden kommen wird, weil es eine leichte Beute für Raubtiere ist. Und warum sich anstrengen, wenn es dann für Wölfe so einfach gemacht wird?

Der sehr geehrte Umweltminister sollte sich vielmehr Gedanken darüber machen, wie es gelingen könnte, Schafherden mit Geldmitteln zu schützen. Herdenschutzhunde, gefördert vom Land, wie sie in Rumänien schon seit Generationen in Gebrauch sind und wie ich es bei meinen Wanderungen durch die Niederungen der Karpaten selbst erlebte, sollten das Problem lösen.

Zum Schluss noch eine Meinung: Die Wolfspopulation regeln die Wölfe selbst. Sie wird sich nicht verdoppeln und verdreifachen. Wolfsrudel haben nach meiner Einschätzung, wie viele Rudeltiere, ein Revier und das verteidigen sie. Summa summarum: Die Natur regelt sich selbst. Dr. Rainer Altmann, Wrestedt

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