Von der Macht der Lobbyisten

Leserbrief zu unseren Lebensmitteln und der gesundheitlichen Gefahr, die von ihnen ausgeht.

Das Musterland Bayern hatte ja mal einen Hygieneskandal in der Traditionsbäckerei Müller zu vermelden, dann folgte überflüssigerweise auch noch ein ähnliches Desaster in einem Münchener fleischverarbeitenden Betrieb.

Kürzlich erst infizierten sich hunderte Schüler in Thüringen, weil man unerkannt kontaminiertes fernöstliches Obst in den Verkehr gebracht und an Schulen ausgeliefert hatte. "Kann seit dem 1. September 2012 wohl nicht mehr passieren", sollte man meinen oder zumindest argwöhnisch hoffen. Da hat die Politik mit einem Gesetz doch endlich eine Tür in Richtung Informationsfreigabe und Verbraucherschutz aufgestoßen, könnte man vermuten.

Leider wohl mitnichten. Seit dem 1. September 2012 ist das so genannte Verbraucherinformationsgesetz in Kraft. Es war und ist dafür gedacht, dass Verbraucher sich vorher darüber informieren und sich Daten und Fakten nennen lassen dürfen, die für sie als Lebensmittelkäufer oder als beispielsweise Patient in Krankenhäusern von Nutzen sein können, bevor sie unerkannt Opfer eines Anbieters von Produkten unterschiedlichster Art werden.

Hierzu zählen auch insbesondere Hygienemängel mit häufig fatalen gesundheitlichen Folgen. Der Geschäftsführer der Organisation "Foodwatch e.V.", Dr. Thilo Bode, hat kürzlich vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit u. a. Auskünfte aus dem Bereich Fleisch, Geflügel, Wild erbeten und gefragt, wieviel Proben im Jahr 2011 gezogen worden seien und zu wieviel Beanstandungen diese geführt haben. Außerdem interessierte die Anzahl der Gerichts- bzw. Ordnungswidrigkeitenverfahren sowie die Frage, wie oft die Bürger über diese Erkenntnisse informiert worden seien. Die Antwort, so Thilo Bode von foodwatch e.V. in Berlin habe ihm im wahrsten Sinne des Wortes "die Schuhe ausgezogen". Das niedersächsische Landesamt habe ihm mitgeteilt, dass die Bearbeitung dieser Fragen etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen und voraussichtlich Kosten in Höhe von 80 000 Euro verursachen würde. Soweit scheint die Macht der Lobbyisten in die Politik hinein schon zu reichen.

Wundert es uns da überhaupt noch, dass der verdrossene Bürger immer weniger von seinem Recht auf politische Mitwirkung Gebrauch macht?

Dieter Lilie,

Wrestedt

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