Leserbrief: „Klarer Verstoß mit scharfer Waffe“

Nicht jeder Jäger gehe verantwortungsbewusst mit der Waffe um, fürchtet AZ-Leser Norbert Blazytko.
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Nicht jeder Jäger gehe verantwortungsbewusst mit der Waffe um, fürchtet AZ-Leser Norbert Blazytko.

Auf den Leserbrief von Roland Künzer („Wolf ist kein Kuscheltier mit Knopf im Ohr“/16. März) reagiert dieser Leser:

Ein Studienrat der BBS ist „von Haus aus“ eine Respektsperson, deren Meinung in der Regel gehört und geachtet wird. Er sollte sich deshalb nur dann öffentlich äußern, wenn er wirklich fachkundig ist oder sich fachkundig gemacht hat.

Richtig ist in seinem Beitrag, dass der Wolf wirklich kein Kuscheltier ist. Und dass Wildschweine sehr gefährlich werden können. Aber das von ihm angenommene Wolfs-Rudelsystem hat hierzulande mit der Realität nichts zu tun. Bei uns besteht ein Rudel – von seltenen Ausnahmen abgesehen – aus den beiden Elterntieren sowie dem Nachwuchs aus dem laufenden und dem vorangegangenen Jahr. Stirbt eines der Elterntiere, ist dafür im Rudel kein „Nachrücker“ vorhanden, der dessen Stelle einnehmen kann und darf. Das Rudel ist also erst dann wieder komplett, wenn von außen Ersatz für das verstorbene Tier gefunden wird. Bis dies der Fall ist, ist das Rudel auf Gedeih und Verderb auf die Erfahrung und das Vermögen des verbleibenden Elternteiles angewiesen. Dieses Tier wird alles dransetzen, um das Rudel durchzubringen und seine Erfahrung an den Nachwuchs weitergeben.

Wenn der falsche (Eltern-) Wolf abgeschossen wurde, ist das verbliebene Elternteil noch stärker auf einfache und schnelle Beute angewiesen. Und gibt somit dieses Wissen an den Nachwuchs weiter. Damit steigt auch der Jagddruck auf dieses Elternteil. Während der über einjährige Nachwuchs bereits mindestens gesehen, wenn nicht gar gelernt hat, wo Wolf einfache Beute machen kann. Und dem früher oder später ebenfalls die „Entnahme“ droht. Insbesondere dann, wenn später auch „das richtige“ Elternteil abgeschossen wird. Weil dann der zweijährige, nicht sehr erfahrene Nachwuchs auch für den jungen Nachwuchs sorgt. Damit ist das Schicksal des Rudels vorhersehbar...

Ich bin übrigens täglich draußen. Bei jedem Wetter. Tagsüber und auch nachts. Und beobachte dabei, soweit möglich, die gesamte mich umgebende Fauna und Flora. Und habe dabei auch viele Jäger bei ihrer Jagdausübung – insbesondere bei meinen Reisen mit dem Reisemobil – beobachtet. Viele davon sind erkennbar echte Naturfreunde und gehen verantwortungsbewusst mit ihrer Waffe um. Aber keinesfalls alle. Ich unterstelle keinesfalls Unfähigkeit, wenn der falsche Wolf geschossen wird, sondern einen klaren Verstoß in der besonderen Sorgfaltspflicht im Umgang mit einer scharfen Waffe. Denn ein Schuss darf nur abgegeben werden, wenn das Ziel ganz klar ausgemacht ist. Und wer ein Jungtier nicht von einem alten Wolf unterscheiden kann, sollte seinen Jagdschein abgenommen bekommen. Norbert Blazytko, Nateln

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