Geplante Venuskogge in Uelzen beschäftigt weiterhin die Leser

Leserbrief: „Groteskes Schauspiel“

Die AZ-Leserinnen und -Leser lassen weiterhin kein gutes Haar an der Entscheidung für die Venuskogge: Der Sturm der Entrüstung reicht von „Da versagt mein Verständnis“ bis zu „Ja, geht’s noch?“.
+
Die AZ-Leserinnen und -Leser lassen weiterhin kein gutes Haar an der Entscheidung für die Venuskogge: Der Sturm der Entrüstung reicht von „Da versagt mein Verständnis“ bis zu „Ja, geht’s noch?“.

Zur Diskussion um die Frauenstatue für Uelzen und die Entscheidung für die Venuskogge sowie zu den Leserbriefen unter der Überschrift „Abwertung des Frauenbildes“, AZ vom 19.  Oktober, schreiben diese Leserinnen und Leser:

Als ehemalige Politik- und Ratskollegin möchte ich Frau Deuter und Frau Schmäcke zustimmen: Was für ein groteskes Schauspiel mit der Frauenstatue! Frau Deuter weist darauf hin, dass es bereits eine gute Würdigung Uelzener Frauen gibt: das 2015 von der Uelzener Geschichtswerkstatt herausgegebene Buch „Frauen, die Uelzen bewegten“ mit Porträts von 22 Frauen in Uelzen aus mehreren Jahrhunderten. Es sollte publik gemacht, im Rathaus ausgelegt und bei Stadtführungen gezeigt werden. Und die Venuskogge? Vielleicht ein modernes Kunstwerk, das Förderung verdient, aber nicht das Geringste mit Uelzener Frauen zu tun hat. ... Ariane Henjes, Uelzen

---

Ich habe mich von früher Jugend an auch mit moderner Kunst beschäftigt, aber da versagt mein Verständnis. Eine Stadt von Paul Schaeffer, Juergen Siems und Fritz Roever sollte mehr Feingefühl haben. Das als Frau ist ekelerregend und erinnert mehr an ein Sexsymbol als an eine Frau. Nein danke! Wolfgang Martens, Tönisvorst

---

Angesichts des verständlichen Entrüstungssturms über den Vorschlag der Stadt für eine Frauenstatue im Uelzener Zentrum muss man den Hersteller dieses Venuskoggen-Modells unbedingt in Schutz nehmen. Verantwortlich ist die Vorgabe für die Einreichung von Statuen-Modellen und damit die Stadt: Für die lächerlich gering veranschlagte Summe für die Herstellung der Statue kann man allein schon keine Materialien wie Bronze vorsehen. Hinzu kommt die Zumutung in der Stadt-Vorgabe, in diese Frauenstatue auch noch eine Sitzgelegenheit zu integrieren. Und nebenbei soll wohl auch noch die Hansekogge eingebaut werden. Da kann man als Künstler den ursprünglichen Plan, eine Statue für Uelzener Frauen (hier: eine Flachshändlerin) wohl kaum umsetzen. Eckehard Niemann Bienenbüttel Nachdem viele Leserbriefe zu diesem künstlerischen Objekt veröffentlicht wurden, die sich allesamt nicht gerade dafür ausgesprochen haben, dürfte wohl jedem klar sein, dass kaum eine Bürgerin und kaum ein Bürger der Stadt Uelzen (und Umgebung) dieses Objekt an einem öffentlichen Platz in der Stadt haben will. Oder sind – außer Stadtratsmitgliedern, die für den Vorschlag votiert hatten – auch positive Äußerungen zur Venuskogge bekannt?

Wir haben es bei dieser Thematik mit zwei Faktoren zu tun: einerseits ein allgemeines Anliegen, nämlich eine Frauenstatue für Uelzen, und andererseits, dieses künstlerisch umzusetzen. Nun ist die ausgewählte Venuskogge zweifelsfrei ein Gegenstand der Kunst. Dies kann niemand dem Künstler gegenüber abstreiten. Ob es einem gefällt oder nicht, ist dabei auch völlig unerheblich, die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut!

Allerdings sind sich alle bisherigen Leserbrief-Schreiberinnen und -schreiber wie auch ich wohl einig darin, dass ein solcher Gegenstand nicht dem Anspruch an das Thema gerecht wird. Abstrakt soll in diesem Kunstwerk das Venussymbol für die Frauen stehen, und genau hieran scheiden sich, zu Recht, wie ich finde, die Geister. Nein, hieran regt sich Widerstand, der sich in vielen Leserbriefen zeigt.

Die Frauenstatue, die an einem öffentlichen Platz in der Stadt stehen soll, muss klar als ein weiblicher Mensch erkennbar sein, nicht abstrakt. Beispiele gibt es dafür woanders, nennen möchte ich nur die „Fischhändlerin Molly Malone“ in Dublin, wenngleich man nicht unbedingt alles so nachahmen muss. Aber es ginge ungefähr in die richtige Richtung.

Die Entscheidung des Stadtrates von Uelzen pro Venuskogge möchte ich als mindestens problematisch einstufen, da deutlich überwiegend Männer diesem Gremium angehörten und auch nach der Wahl wieder angehören. Ich kann mir dagegen bei einem überwiegend weiblich besetzten Rat wirklich nicht vorstellen, dass diese Entscheidung so gefällt worden wäre. Annähernd 50 Prozent zu 50 Prozent männlich/weiblich dagegen hätte man in der Bevölkerung.

Also, liebe Politikerinnen und Politiker, revidieren Sie die getroffene Entscheidung und fragen Sie die Bevölkerung der Stadt. Karsten Günther Rosche Ja, geht’s noch? Gibt es zum Thema „Frauen, die Uelzen bewegten“ wirklich nur Plätteisen oder Ruhebank mit Loch? Was soll der moderne Diskurs zu Gendersternen, wenn die Rolle der Frau so gespiegelt wird? Glückliches Hannover, das unter anderem seine Nanas hat.

Mein Vorschlag für Uelzen: Stellt einfach einen großen Sockel auf. Dann können sich alle Frauen, die Spaß daran haben, daraufstellen und zeigen, was heute Frauen in Uelzen bedeuten. Ulla Eggers, Bad Bodenteich

Leserbriefe geben die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare