Der Leser hat das Wort

Leserbrief: „Gefährliche Parallelwelt “

AZ-Leser Borvin Wulf wünscht sich, dass die am Hainberg stationierte Bundespolizei die Beamten der Landespolizei gegen Corona-„Spaziergänger“ unterstützt. foto: dpa
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AZ-Leser Borvin Wulf wünscht sich, dass die am Hainberg stationierte Bundespolizei die Beamten der Landespolizei gegen Corona-„Spaziergänger“ unterstützt.

Zum Artikel „Nur solidarisch lösen wir die Krise“ (AZ vom 3. Januar 2022) sowie zu den darauf basierenden Leserbriefen melden sich weitere Leser wie folgt zu Wort:

Auch wenn Nachhaltigkeit für viele Verbraucher in ihrem Bewusstsein bezüglich fairer Produktionsbedingungen sowie Recycling von Handys kaum eine Rolle spielt, wie die AZ in ihrer Ausgabe vom 24. Dezember 2021 schreibt: Im Zusammenhang mit Corona spielt Nachhaltigkeit eine immense Rolle, auch wenn Corona-„Spaziergänger“ und ihre antisemitischen, Verschwörungsmythen aufsitzende, rassistische, antidemokratische Entourage bis hin zu mitlaufenden impfgegnerischen Frustrierten das leugnen. Trotz der inzwischen unzähligen Corona-Opfer. Inzwischen hat man auch – über die vielen Toten hinaus – genügend Informationen über die dauerhaften katastrophalen Corona-Spätfolgen.

Es hat sich in unserer Gesellschaft eine gefährliche Parallelwelt entwickelt. Sie missachtet die Grundsätze der Rechts- und Verfassungsordnung und will sie durch eigene Maßstäbe ersetzen. Geschichtsbewusste Menschen könnten sich da an die Entstehungsgeschichte der SA Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert fühlen. Der unangemeldete Aufzug am 18. Dezember 2021 von circa 400 zum Teil aggressiven Bürgern mit zahlreichen Kindern – eine für die Klein-stadt Uelzen beachtliche Anzahl – unter dem Etikett „Freie Niedersachsen“, durch die Innenstadt dicht an dicht ohne Gesundheitsmasken und voneinander Abstand zu halten, wirkte furchteinflößend und bedrohlich.

Die wenigen Gegendemonstranten wurden höhnisch ausgelacht. Die anwesende uniformierte Polizei – ganze sechs oder sieben Beamte waren es –, die in Höhe des Herzogenplatzes/Rathaus die Veerßer Straße versuchten abzuriegeln, war von der Situation ersichtlich hilflos und völlig überfordert. Einer der anwesenden Gegendemonstranten vom „Bündnis für Demokratie und Toleranz Uelzen“, der das zu einer der Polizistinnen, ohne daraus einen Vorwurf abzuleiten, sagte, erfuhr von ihr, sie sei über ihre private Telefonnummer von Uelzens Dienststelle aufgefordert worden, so schnell wie möglich zum Dienst zu kommen. Aber bis jetzt wisse sie immer noch nicht, wobei es bei diesem Menschenauflauf überhaupt gehe. Einen anderen Polizisten aus der Sechs-Mann-Abriegelung angesprochen, das gleiche in Sachen polizeilicher Überforderung, erwiderte etwas aggressiv, man könne nicht überall zur gleichen Zeit sein; Teile der Uelzener Polizei seien in Amtshilfe aus dem gleichen Anlass (Stichwort: „Spaziergänge“) in Braunschweig.

Da stellt sich doch fast automatisch die Frage: Warum wurde die vor Uelzens Toren stationierte Bundespolizei am Hainberg in die ordnungspolizeilichen Maßnahmen gegen die rechtsextremistischen, friedlich und harmlos getarnten „Spaziergänge“ in Uelzen nicht einbezogen, die bekanntlich über schnelle Eingreif-Spezialkräfte und Logistiker verfügen!?

Borvin Wulf

Suderburg

Die Reaktionen auf den Leserbrief von Dr. Thiel zeigen deutlich: Der Hass auf Andersdenkende nimmt in dieser Gesellschaft leider zu. Die Äußerungen von Herrn Glanz und Herrn Otto beinhalten mehrfach falsche Vorwürfe gegen Herrn Dr. Thiel. Da wird ihm zum Beispiel unterstellt, die Meinungsfreiheit rigoros abschaffen zu wollen. Oder man beschuldigt ihn antidemokratischer Hetze. Da frage ich mich: Wer dreht an der Spirale des Hasses?

Die beiden Leserbriefe ähneln einander sehr stark in dem folgenden Muster: Wir fühlen uns zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt, nur weil wir eine andere Meinung vertreten. Dieses Muster hat nicht erst seit 2015 Tradition in Deutschland. Den „Spaziergängern“ bescheinigen Herr Glanz und Herr Otto, nichts Unrechtes zu tun – dabei handelt es sich um unangemeldete Demonstrationen, zu denen bundesweit aufgerufen wird. Die Arbeit der Polizei machen solche Tricksereien um das Versammlungsrecht nicht einfacher. Auch für die freie Meinungsäußerung gelten in unserer Demokratie gesetzliche Rahmenbedingungen.

Wer dagegen in unserem Land die Meinung vertritt, dass er sich seine Freiheit zurückholen müsse, stellt damit unsere Demokratie in Frage. Dabei ist es ein Widerspruch in sich, unter Polizeischutz unangemeldet gegen den vermeintlichen Verlust der Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Bundesweit häufen sich solche Vorkommnisse. Und Herr Dr. Thiel weist zu Recht darauf hin, dass vielerorts nachweislich Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker die negative Stimmung schüren, um bis in die Mitte der Gesellschaft hinein zu wirken. Umso wichtiger wird es, dass diesen antidemokratischen Kräften die Grenzen aufgezeigt werden. Alle Bürgerinnen und Bürger stehen da in der Verantwortung für unsere Demokratie. In Uelzen ist montags und samstags auf dem Herzogenplatz bei den angemeldeten Demonstrationen Gelegenheit dazu.

Matthias Heuer

Uelzen

Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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