Meinung zu den jüngsten Berichterstattungen zur A39

Leserbrief: „Flickschusterei reicht nicht“

AZ-Leser Borvin Wulf betont in seinem Schreiben: „Die Wahrheit ist, dass nur eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs klimafreundlich ist.“
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AZ-Leser Borvin Wulf betont in seinem Schreiben: „Die Wahrheit ist, dass nur eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs klimafreundlich ist.“

Zu den jüngsten Berichterstattungen zur A39 vom 4. und 6. Oktober in der AZ („Zukunftsprojekt der Region“/„Pro A39 plant Info-Veranstaltung“) äußert sich dieser Leser:

Bis die neue Bundesregierung steht, werden wahrscheinlich noch Wochen vergehen. Doch seit dem 7. Oktober liegt bereits eine Studie für den Bereich Verkehrspolitik vor: die Ariadne-„Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität“, erarbeitet von der Deutschen Energieagentur (Dena), die beim Bundesministerium für Bildung und Forschung angesiedelt ist.

Sie zeigt: Die künftige Regierung muss in allen Gesellschafts- und strukturellen Wirtschaftsbereichen enorme Anstrengungen unternehmen, um auf den im neuen Klimaschutzgesetz beschlossenen Pfad zur Netto-Null bis 2045 bei den Treibhausgasen zu kommen.

Im Straßenverkehr fallen bekanntlich die meisten Emissionen an. Flickschusterei reicht nicht. An der Industrie- und Handelskammer IHK Lüneburg-Wolfsburg mit ihrer verbohrten Pro-A39-Haltung scheinen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Dena völlig vorbeigegangen zu sein, obgleich zehn wissenschaftliche Institute an der Studie mitgearbeitet haben; zudem flossen Branchenerfahrungen und Markteinschätzungen von mehr als 70 Wirtschaftsunternehmen in die Leitstudie mit ein.

Die IHK, die „Autobahn GmbH“ und sonstige Pro-A39-Apologeten sowie Asphalt-Romantiker positionieren sich trickreich, Klimawandel, Menschen- und Naturzerstörung zum Trotz, in ihrem Gefühlshaushalt sowie in der von ihnen betriebenen PR als Garanten des „Fortschritts“, in der Illusion von der Grenzenlosigkeit der Kfz-Mobilität.

Die Wahrheit ist, dass nur eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs klimafreundlich ist. Eine primär auf Kfz-Mobilität, auf eine „Weiter-so-Autogesellschaft“, auf industrielles Wachstum und Profit sowie Ressourcenverschwendung ausgerichtete kapitalistische Wirtschaftsweise und Gesellschaftsordnung werden sich hingegen auch mit dem Etikett Klimaschutz mittel- und längerfristig für Mensch und Natur sowie die Bewahrung der biologischen Vielfalt als desaströs erweisen.

„Es bedarf einer grundlegenden Veränderung der Herangehensweise an diese Jahrhundertaufgabe“, heißt es in der Dena-Studie weitsichtig. Die negative Klimaentwicklung ist nicht durch technische Entwicklungen mit deutscher Ingenieurskunst (Stichwort: E-Autos, Wasserstoff, et al) und De-Regulierung der Wirtschaft sowie einer ökologischen Marktwirtschaft zu stoppen. Ökologie und begrünender Kapitalismus sind so vereinbar wie Leben und Salzsäure. Borvin Wulf, Suderburg

Leserbriefe geben die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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