Über die Reaktionen auf das Votum des Kreistages gegen eine IGS

Leserbrief: „Ein Armutszeugnis für unseren Kreis“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Ministerpräsident Stephan Weil konnten der IGS Langenhagen Anfang Juli schon zum 50. Geburtstag gratulieren. Im Landkreis Uelzen wird es zum Bedauern von AZ-Leserin Elke Scherwinsky indes keine IGS geben.
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Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Ministerpräsident Stephan Weil konnten der IGS Langenhagen Anfang Juli schon zum 50. Geburtstag gratulieren. Im Landkreis Uelzen wird es zum Bedauern von AZ-Leserin Elke Scherwinsky indes keine IGS geben.

Zur Berichterstattung über die Reaktionen auf das Votum des Kreistages gegen eine IGS („Kreis tut sich keinen Gefallen“, AZ vom 22. Juli) schreibt diese Leserin:

„Wir treten von der Bühne ab“, sagen die Mütter, die mit viel Engagement, sehr gut besuchten Veranstaltungen und persönlichen Beratungen in den Grundschulen für eine IGS gekämpft haben (...). Offensichtlich stand schon zu Beginn der Diskussion vor drei Jahren für die CDU- und UWG-Vertretungen im Kreistag und im Schulausschuss fest: „Eine IGS wollen wir nicht.“ Die Diskussionen zeigten, dass die Auseinandersetzung über eine Schule für alle Kinder – das ist der große Unterschied in einer IGS zum bestehenden mehrgliedrigen Schulsystem – besonders von der CDU nicht geführt werden sollte.

Somit war von vornherein klar, dass es von dieser Seite einen ideologisch geprägten Vorbehalt geben würde. Auch die Fragen an betroffene Eltern zum Thema Schullandschaft im Kreis Uelzen waren so gestaltet, dass sich kein eindeutiges Bild für oder gegen eine IGS ergeben konnte. Warum?

Es ist beschämend, dass mit Zahlen gegen die Einführung einer IGS argumentiert wurde. In der letzten Kreistagssitzung wurde tatsächlich vom bildungspolitischen Sprecher der CDU vorgerechnet, dass Schulen im Landkreis schließen müssten, wenn eine IGS als Angebotsschule eingerichtet würde. Wie kommt er darauf? Eltern entscheiden, zu welcher Schule ihre Kinder gehen, und niemand kann genau vorhersagen, zu welcher Schule Kinder gehen werden. Allerdings wissen wir genau, wie viele Kinder jetzt schon in andere Landkreise gehen, weil den Eltern das Angebot im Kreis Uelzen nicht reicht.

Zur KGS Clenze zum Beispiel gehen 150 Kinder aus dem Kreis – natürlich nur die, die sich auch das Fahrgeld leisten können. Was für ein Armutszeugnis für unseren Kreis. Es war abzusehen, dass die guten Beiträge der Grünen, der SPD und der FDP für die Einführung einer IGS während der Aussprache zwar viel Applaus von den Zuschauenden erhielten, von der CDU und UWG aber gar nicht mehr gehört wurden.

Und dann bekam auch noch der Antrag der CDU/UWG die Mehrheit, der eine Bestandsgarantie für die bestehenden Schulen in den nächsten sieben Jahren gibt. Es ist überhaupt nicht möglich, diese Garantie zu geben, denn das Schulgesetz gibt eindeutig vor, dass weiterführende Schulen zweizügig sein müssen. Will „man“ dann Eltern zwingen, ihre Kinder in eine bestimmte Schule zu geben, damit sie nicht geschlossen werden muss, damit die Garantie eingehalten werden kann? Es macht mich fassungslos, dass die CDU geschlossen, die UWG bis auf einen Vertreter und tatsächlich auch die Fraktionsvorsitzende der SPD sich gegen eine IGS entschieden haben. Daher ist es für mich auch absolut nachvollziehbar, dass die Mütter für eine IGS „von der Bühne abtreten“. Danke für ihre Arbeit. Elke Scherwinsky, Bad Bevensen

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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