Leserbrief: „Der Natur schon entfremdet“

Dass demnächst Kurse zum Waldbaden in der Region angeboten werden sollen, hat Helga Timm-Koltermann zu einem Leserbrief veranlasst.
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Dass demnächst Kurse zum Waldbaden in der Region angeboten werden sollen, hat Helga Timm-Koltermann zu einem Leserbrief veranlasst.

Zum Artikel „Wald als Therapiestätte“ (AZ vom 5. Juni) hat unsere Redaktion diese Zuschrift erreicht:.

Wie gut das klingt im ersten Moment: Waldbaden! Beim Nachdenken klingt es schon skurriler: „Waldbaden“. Wie sehr sind die Menschen der Natur schon entfremdet. Als Kinder lebten wir mit dem Wald, spielten am Waldrand, suchten mit Eltern auf Wanderungen Pilze und Beeren et cetera. Heutzutage können nun gestresste Nerds, Computerfreaks und eingezwängte Städter das Waldbaden buchen und bezahlen.

Als Uhlenköper wissen wir, dass man Menschen alles verkaufen kann. Als Uelzener können wir glücklich sein und stolz sein, dass wir im Kreis mehrere hervorragende Waldkindergärten haben, in denen Kinder sich schon ganz früh mit der Natur verbunden fühlen. Aber alles im Leben sollte möglich sein – und so brachte mich das Waldbaden auf die Idee, das „Gartenbaden“ anzubieten. Im Garten auf dem Rasen im weichen Moos liegen und „das Gras wachsen hören“, barfuß Tau treten oder auf der Gartenbank sitzen und Beine und Seele baumeln lassen. Dabei den vielfältigen Klangfarben der Natur lauschen. Denn Bienen summen und Hummeln brummen, Grillen zirpen und Spatzen tschilpen, Frösche quaken und die Vögel geben ein Konzert, der Specht schlägt den Takt dazu. Das alles wird bei Regenwetter noch getoppt, wenn Regentropfen aufs Laubendach klopfen, in den Teich platschen, auf Blecheimer klatschen. Musikbaden...

Für Fortgeschrittene gibt es den Kurs „Innovatives Wildkräuter ernten“ (altdeutsch: Unkraut jäten). Wie auf den Erdbeerplantagen die Selbstpflücker bekommen alle Kursbesuchenden ihr eigenes Terrain zugewiesen, wo sie mit den Händen die Erde durchfurchen und die Wildkräuter mit Wurzel und Ballen in einem kostenlosen Eimerchen sammeln und mit nach Hause nehmen. Dort können sie das Vertrocknen beobachten. Ihnen verhilft es zu einem unvergesslichen Naturerlebnis und mir zu einem gepflegten Garten! Helga Timm-Koltermann, Wrestedt

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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