Leserbrief: „Breitbandausbau wichtiger“

„Was nützt mir ein Rechtsanspruch, der technisch gar nicht möglich ist, weil ich auf dem platten Land wohne und kein Netz habe?“, fragt Joachim Delekat. Foto: dpa
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„Was nützt mir ein Rechtsanspruch, der technisch gar nicht möglich ist, weil ich auf dem platten Land wohne und kein Netz habe?“, fragt Joachim Delekat.

Auf das Vorhaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, ein Anrecht auf 24 Tage Homeoffice pro Jahr gesetzlich zu verankern (AZ vom 7. Oktober), bezieht sich diese Leser-Zuschrift:

Gut gemeint, aber nicht gut gemacht. So kommt mir der Gesetzesentwurf von SPD-Arbeitsminister Heil vor, die Unternehmen in Deutschland zu verpflichten, ihren Beschäftigten einen mindestens 24-tägigen Telearbeitsplatz jährlich anbieten zu müssen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Unternehmen und Beschäftigte im Einvernehmen selbst in der Lage sind, individuelle Lösungen zu finden. Erstaunlich auch, was auf einmal alles an Tätigkeiten zu Hause möglich ist und vorher mit dem Satz „Haben wir immer so gemacht …“ von „analogen Leuten“ abgeschmettert wurde.

Statt staatlichen Dirigismus bezüglich eines rechtlich zugesicherten und offensichtlich willkürlich gewählten Zeitraumes walten zu lassen, wäre der zügige, flächendeckende Breitbandausbau viel wichtiger. Was nützt mir ein Rechtsanspruch, der technisch gar nicht möglich ist, weil ich auf dem platten Land wohne und kein Netz habe? Warum ändert der Gesetzgeber nicht das Grundgesetz und bringt das Recht auf digitale Grundversorgung als Daseinsvorsorge für alle Bürger in Deutschland ein?

Stattdessen ist jeder Landkreis genötigt, langwierige und bürokratische Förderanträge in Berlin und Brüssel zu stellen, es entsteht ein digitaler Fleckenteppich in Deutschland und es dauert, dauert und dauert. Langfristig wird sich das Homeoffice in den dafür geeigneten Arbeitsbereichen durchsetzen und hätte auch viele familienfreundliche, ökologische und nachhaltige Vorteile.

Unternehmen stehen heute ohnehin im Wettbewerb gute und geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Unternehmen, welches seine Beschäftigten Homeoffice anbieten kann, ist besonders attraktiv für die Bewerber. Der Arbeitgeberpräsident des Lüneburger Arbeitgeberverbandes Volker Meyer hat es zu Recht auf den Punkt gebracht, es entsteht ein „unüberschaubares Bürokratiemonster“ , sollte der Gesetzesentwurf von Heil Wirklichkeit werden.

Was sind die wirklich wichtigen digitalen Baustellen in der Bundespolitik? Erschreckend ist hier insbesondere eine Zahl: Deutschland ist im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung der Schulen auf Platz 76 von 78 Ländern, übrigens hinter Moldawien. Ein Armutszeugnis, dass eine G8-Wirtschaftsmacht so wenig für digitale Bildung unternimmt. Joachim Delekat, Uelzen. Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. DIe Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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