Zum Themenkomplex Gaspreise, Wladimir Putin und Annalena Baerbock

Leserbrief: „Baerbock und die Realpolitik“

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock trifft den russischen Außenminister Sergej Lawrow.
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Bundesaußenministerin Annalena Baerbock trifft den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Zum Themenkomplex Gaspreise, Wladimir Putin und Annalena Baerbock, der durch die Antrittsbesuche der Bundesaußenministerin in der Ukraine und in Russland aktuell wieder stark im Fokus steht, äußert sich dieser AZ-Leser:

Bevor unsere neue Außenministerin Annalena Baerbock die Zügel in die Hand nahm, hätte sie sich ein wenig mit russischer Geschichte und Putins Biografie befassen sollen. Dann würde sie aufhören, Putin „die Leviten zu lesen“ und sie würde ihren Widerstand gegen die Inbetriebnahme der Gas-Pipeline Nordstream 2 aufgeben.

Man muss wissen, dass es in Russland nie eine Demokratie gegeben hat, wie wir sie verstehen. Das gilt übrigens auch für fast alle islamischen Staaten. Und seien wir ehrlich: Auch die Deutschen brauchten erst einen Adolf Hitler, bis sie die Demokratie schätzen lernten.

Die Russen lebten seit Iwan dem Schrecklichen (1547- 1584) immer „unter Kreuz und Knute“ (Kirche und autoritäre Zaren) und fühlten sich dabei offenbar wohl. Stalin hat schätzungsweise 30 Millionen Menschen auf dem Gewissen und wird trotzdem immer noch von einer Minderheit verehrt. Gorbatschow, der dem Volk die Freiheit bringen wollte, ist gar nicht beliebt. Ein großartiger Demokrat wie Nawalny findet nur in der Hauptstadt größere Resonanz. Putin entfernt sich zwar immer mehr von einer liberalen Richtung, ist aber trotzdem bei der Mehrheit populär.

Von ihm sollte man außerdem wissen, dass er 1952 im heutigen St. Petersburg (damals Leningrad) auf die Welt kam, das einzige überlebende Kind seiner Eltern. Seine Mutter überlebte die von 1941 bis Anfang 1944 dauernde deutsche Belagerung. Während dieser Zeit sind schätzungsweise eine Million Menschen erfroren oder verhungert. Sicher haben die Erzählungen der Mutter einen Menschen wie Putin geprägt.

Wenn unsere grüne Außenministerin „ihm die Leviten lesen“ will, prallt das von ihm ab. Wenn sie die Inbetriebnahme von Nordstream 2 verhindern will, lässt er einfach weniger Gas durch Nordstream 1 fließen – und die Gaspreise steigen auf neue Höchststände. Er weiß ja, das unsere Speicher fast leer sind. Man kann nur hoffen dass es keinen strengen Winter gibt und dass Olaf Scholz seiner Außenministerin erklärt, was Realpolitik ist. Karl Jongeling, Uelzen

Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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