„Rathausspitze und der Politik“ Angst unterstellt?

Leserbrief zu den Artikeln „Bündnis attackiert die Stadt“ und „Angst sich mit den Gräueltaten der Nazis zu befassen, AZ vom 18. April 2013.

Mit großem Interesse haben wir den o.a. Artikel zur Kenntnis genommen und nehmen wie folgt dazu Stellung:

1. Die Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. begrüßt es ausdrücklich, dass sich Bürger der Stadt engagiert mit der jüngeren Geschichte Uelzens und insbesondere mit der Rolle der Verwaltung im Nationalsozialismus befassen.

2. Wir finden es außerordentlich beachtenswert, dass sich Herr Dr. Thiel beispielhaft intensiv mit der leidvollen Geschichte der Familie Dr. Becker befasst und dabei exemplarisch die Verwicklung der Verwaltung in die Machenschaften gegen Becker darstellen kann.

3. Wir unterstützen das Anliegen der Mitglieder des „Bündnis gegen Rechts“ im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung ein Zeitzeugen- bzw. Generationengespräch zu initiieren.

4. Wir beziehen keine Stellung zum Konflikt zwischen der Verwaltung der Stadt Uelzen und des „Bündnis gegen Rechts“ in Sachen Nutzung des Ratssaales für die Veranstaltung am 11.5.13, da wir den Rechtsrahmen, in dem der Bürgermeister seine Entscheidung begründet, nicht kennen.

Jedoch teilen wir nicht die Meinung von Herrn Dr. Thiel, sondern widersprechen ihm entschieden, wenn er von "purer Ignoranz gegenüber Uelzens Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus" spricht und dabei die gegenwärtige politische Spitze der Stadt Uelzen und seiner Verwaltung meint und pauschal, wie wir meinen unbegründet, der „Rathausspitze und der Politik“ Angst unterstellt, „sich mit der Geschichte und den Gräueltaten der Nazis zu befassen“ Seit Gründung der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. und auch in den Jahren davor sind wir mit unseren Anliegen, Aspekte der verbrecherischen Politik der Nazis in der Stadt Uelzen auf zu arbeiten, darzustellen und zu vermitteln stets auf offene Ohren bei Politik und Verwaltung gestoßen, besonders von dem Zeitpunkt an, von dem an Herr Lukat zunächst an erster Stelle in der Verwaltung stand und später als Bürgermeister politische Verantwortung übernommen hat.

Schon vor Gründung der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. hat die Stadt meine Bemühungen unterstützt, eine Geschichte des Außenlagers Uelzens - KZ Neuengamme zu schreiben.

Zunächst gegen den jahrelangen Widerstand der damaligen politischen Opposition gelang es mir 1999 in enger Zusammenarbeit mit Lukat Bronzetafeln am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus anzubringen, auf denen die Opfergruppen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft konkret benannt werden.

Nach Gründung der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V. 2001 fand der Verein vielfältige Unterstützung bei Rat, Verwaltung und politischer Spitze bis heute. So bei der Realisierung von mehr als zehn zum Teil umfangreichen Projekten, in denen immer wieder der Versuch unternommen wurde, neben anderen für uns wichtigen Aspekten auch die Gewaltherrschaft der Nazis auf lokaler Ebene zu beschreiben.

Wir beziehen aus dem o.a. Grund keine Position zu der unterschiedlichen Rechtsauffassung, was die Nutzung des Ratssaales angeht, doch glauben wir nicht, dass Polemik und persönliche Angriffe der Sache gerecht werden.

Für den Vorstand der Geschichtswerkstatt Uelzen e.V.,

Dietrich Banse

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