Leid nicht verschweigen

Protest in Form von Graffiti: Im brasilianischen Sao Paulo haben Sprayer die Situation nachgestellt, in der der dreijährige Junge Aylan am Strand in der Türkei tot aufgefunden worden war. :Foto: dpa

Zur AZ-Kolumne von Thomas Mitzlaff „Darf man so ein Foto zeigen?“ (AZ v. 5. September) meint Ulfert Zergiebel aus Oldenstadt.

Ein Foto nicht zu zeigen, ist nur dann zu verantworten, wenn es dem heutigen Kodexüber Sitten und Moral widerspricht. Ein toter an den Strand gespülter kleiner Junge ist eine entsetzliche Tragödie, die nicht verschwiegen werden darf, weil dahinter der Wunsch eines jeden normal empfindenden Menschen steckt, diese gern ungeschehen zu machen. Die Klage richtet sich daher gegen die vielen Akteure, die die Tragödie herauf beschworen haben. Es sind auf jeden Fall nicht die Staaten, die am Ende der Ranking-Skala stehen, weil sie vermeintlich lüstern darauf gewartet hätten, mehr gut ausgebildete Menschen bei sich aufzunehmen.

Ganz unvoreingenommen fragt man sich nicht erst seit heute, wer denn diese Bewegung oder „Völkerwanderung“ losgetreten hat, damit diese oder ähnliche Tragödien entstehen können. Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist das „world wide web“! Durch die Vernetzung erfährt auch der letzte „Hinterbänkler“, was in der Welt los ist – was er bisher versäumt hat und welche Ansprüche er stellen kann! Wer davon noch nicht erfasst wurde, wird von rührigen Reportern aufgesucht, die heute das erledigen, was früher die Missionare nur unter einem anderen Aspekt taten.

Dahinter steckt wie überall im Leben nur Profit. Staatsmänner, die ihr Volk nicht mehr regieren können, fachen Auseinandersetzungen an, um ihre eigenen Bürger zu vertreiben. Wem es gelingt zu entkommen, findet zunächst benachbarte Völker, die diese Flüchtlinge aufnehmen oder über Mittelsmänner weiterleiten. Daraus entwickelt sich eine Hilfs- oder Schleuserstruktur ungeahnten Ausmaßes. Darüber berichten wiederum Medien, Gazetten und andere Multiplikatoren. Letztlich bleibt es bei den Parlamenten hängen, die weit davon entfernt sind, ein Geschäft daraus zu machen – aber das regulieren sollen, was der Rattenschwanz davor angezettelt hat.

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