AZ-Leserbrief

„Lasst sie endlich bauen!“

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Ein Schandfleck mitten in der Uelzener Innenstadt: Die alte Kaufhalle an der Lüneburger Straße.

Mit der Debatte, die um den geplanten Bau eines „Hanse Hofs“ anstelle der leer stehenden Kaufhalle in der Uelzener Innenstadt geführt wird, beschäftigt sich Kurt Wiedenhoff aus Eimke.

Es war ja in diesem Jahr ein sehr heißer Sommer. Aber jetzt kurz vor Weihnachten frage ich mich: Droht Uelzen eine Fata Morgana „Hanse Hof“? In diesem Jahr gab es einen Lichtblick: Der Schandfleck „alte Kaufhalle“ wird wohl beseitigt und durch ein neues Gebäude mit Wohnungen ersetzt. Oder war es nur dem heißen Sommer geschuldet und die „optische Täuschung“ eines besseren Stadtbildes verschwindet wieder, wenn die Uelzener Politik am 6. Dezember tagt?

Laut Artikel in der AZ entscheidet dann der Zukunftsausschuss, ob eine Bebauplanungsanpassung durchgeführt wird und neu gebaut werden darf. Dabei werden vielerlei Bedenken laut, ob der Neubau denn ins Stadtbild passt, der Balkon eventuell zu groß, das Dach zu wuchtig ist.

Was passiert aber, wenn der Zukunfts- und Entwicklungsausschuss die Genehmigung verweigern wird?

Erstens: Ein Schandfleck wie die alte Kaufhalle wird auf Jahre hinaus bestehen bleiben. Die Baugestaltung ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aber auf jeden Fall ist er besser als die bisherige Bauruine, die schon mindestens ein Jahrzehnt Uelzen „verschönt“. Auf dem Bild der AZ sieht der Entwurf nicht gerade „revolutionär“ aus – eher hanseatisch „evolutionär“.

Zweitens: Und wie in der Wüste: Wenn „die Oase kein Wasser spendet“, ziehen die Investoren dorthin, wo es einfacher ist. Ob es dann in den nächsten 15 bis 20 Jahren weitere mutige Menschen gibt, die ein Projekt dieser Art in Uelzen anpacken wollen? Ich zweifele daran. Denn wer in dieser Größenordnung investieren will, wird sich erkundigen, wie das Investitionsklima in der Stadt ist. Zukunft adé … Drittens: Zu denen, die in Uelzen investieren sollen, gehören auch die großen Handelsketten.

Noch immer „träumen“ wir von H&M und den anderen großen Ketten. Die gehen aber nur in Städte über 50.000 Einwohner – und mit positivem Investitionsklima. Mein Appell an die Verantwortlichen im Stadtrat: Gebt Uelzen doch eine Chance. Es ist gar nicht so schwer, einmal die „Evolution“ in der Stadt zuzulassen. Und wer meint, die Balkone stören das Straßenbild der Lüneburger Straße: Ein Blick zeigt: die Bauruine stört sicher viel viel mehr. Und den Anblick würden wir schlimmstenfalls noch weitere 10 bis 15 Jahre ertragen müssen, bis wieder jemand einen Versuch machen wird.

Auch Rene Geschinsky aus Uelzen appelliert an die Politik, den Investoren in Sachen Neubau entgegenzukommen:

Ist das euer ernst? Debatte um Dach und Balkone? Sitze hier kopfschüttelnd vor diesem Artikel und stell mir die Frage: Ist das noch Politik oder Satire? Seid doch endlich froh, dass dieser Schandfleck Kaufhalle verschwindet und vergrault nun nicht noch die letzten Investoren, die noch den Mut haben, Mietwohnungen zu bauen.

Genau solche Debatten ziehen das Ansehen der Politik ins Lächerliche. Also: Hop, Hop und lasst sie endlich bauen!

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