VfL Langenbrügge, der Favoritenschreck

Leserbrief mit Erinnerungen an die Kicker des VfL Langenbrügge:

Wieder mal erleben Fußballinteressierte, wie bei den Spielen um den DFB-Pokal mancher Drittligist einen Verein der Bundesliga das Fürchten lehrt.

Mich erinnert das an den Beginn der 1950er-Jahre. Die Herrenmannschaft meines Heimatdorfes Langenbrügge spielte in der untersten Klasse. Anders als in den Nachbarorten, wie z.B. Bodenteich oder Lüder, fand kein regelmäßiges Training statt. Man hatte schon ein Problem damit, die Mannschaft vollzählig antreten zu lassen.

Das änderte sich plötzlich, als zwei junge Zollbeamte aus dem Rheinland nach Langenbrügge versetzt wurden. Damals gab es zur Überwachung der Zonengrenze (sog. Grüne Grenze) bei uns eine Grenzaufsichtsstelle der Zollbehörde. In einer Baracke waren Dienst- u. Wohnräume untergebracht. Das Gebäude stand in der Nähe des Fußballplatzes. Es war an einem Sonntagvormittag. Mit ein paar Freunden bolzte ich auf dem Platz, als die beiden Beamten uns ansprachen: „Gibt es hier einen Fußballverein?“ „Ja!“ „Und wann ist Training?“ „Training? gibt’s nicht.“ Kurze Zeit danach fanden sich die ersten Spieler ein. Man bereitete sich auf die Begegnung mit Soltendieck – 2. Herren – vor. Den Langenbrüggern fehlten zwei Spieler. „Dürfen wir mitspielen?“, fragten die Neulinge. „Ja, man los! Als was wollt ihr denn aufgestellt werden?“ „Zu Hause spielen wir im Sturm.“

Anpfiff! Es dauerte nicht lange und der Gastgeber führte mit 1:0. Dank unserer beiden Mittelfeldspieler kamen die beiden neuen Stürmer schnell in den Besitz des Balles. Nach zwei, drei Spielzügen und dank sagenhafter Ballbehandlung wurden die Verteidiger schnell ausgetrickst. Ein gut platzierter Schuss ließ den Soltendiecker Torwart alt aussehen! Das wiederholte sich bis zur Halbzeit noch dreimal. Langenbrügge ging erstmals in seiner Vereinsgeschichte mit 4:0 in die Spielpause.

Dank dieses sensationellen Ergebnisses waren Spieler und Zuschauer völlig aus den Häuschen! Nach dem Spiel, an dessen Ausgang ich mich nicht mehr erinnere, waren unsere Torschützen umlagert. „Wo habt ihr denn so gut spielen gelernt?“ Des Rätsels Lösung: Beide waren Mitglieder eines Oberliga-Vereins.

Bald wurde ein regelmäßiges Training angesetzt.Das Ergebnis: Langenbrügge verlor in der Saison kein Spiel mehr, im Gegenteil: Nach der letzen Begegnung war die Sensation perfekt: Der Vfl stieg auf! Natürlich hatte sich die Identität der beiden herumgesprochen. Prompt gab es Proteste: „ Dürfen die eigentlich auf Kreisebene spielen?“ Die Sportordnung enthielt nichts Gegenteiliges.

Langenbrügge blieb Favoritenschreck. Die Mannschaft schlug sich in der nächst höheren Klasse beachtlich. Bitter wurde es für den Verein, als die Zöllner nach zwei Jahren ihren Versetzungsbescheid bekamen. Außer ihnen verließ auch der exzellente Torwart den Ort. Langenbrügge wurde wieder nach unten durchgereicht.

Nachwort: Nach so langer Zeit spielen einen Erinnerungen doch schon mal einen Streich. Zeitzeugen mögen mir verzeihen, wenn sie manches besser zu wissen glauben.

Hans-Heinrich Harms,

Uelzen-Westerweyhe

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