Landwirte tragen Verantwortung

Leserbrief zum AZ-Artikel „Gegen Mastställe – nicht gegen Landwirte“ vom 14. Juni:

Durch die Interessenlage einiger weniger Konzerne und deren Verknüpfung mit der Agrarlobby (Bauernverband, Politik, Genossenschaften) wird eine bäuerliche Landwirtschaftskultur behindert. Dies ist allerdings nicht neu. Schon vor 45 Jahren, als ich, bezeichnenderweise auf dem Hof von Kaiser in Holthusen II, meine Gehilfenprüfung ablegte, wurde das Thema „Wachsen oder Weichen“ diskutiert. Die zunehmende Konzentration in der Landwirtschaft und die damit verbundene Entwicklung zu immer größeren Einheiten führt aber besonders in der Fleischproduktion zu erheblichen Problemen. Die Familie Kaiser in Holthusen II macht sich Sorgen um die Zukunft ihres landwirtschaftlichen Betriebes und versucht, durch neue Betriebszweige das Einkommen zu sichern. Das ist völlig legitim. Die nicht artgerechte Haltung, der Transport zu den Schlachtfabriken und das massenhafte Töten von Tieren als Erwerbsquelle wirft allerdings ethisch-moralische Fragen auf. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Kirchen und andere gesellschaftliche Institutionen Stellung beziehen. Ein anderer Aspekt ist in der Debatte am 12. Juni in Gerdau leider zu kurz gekommen: Durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Geflügel- und Schweinehaltung kommt es zur Entwicklung von multiresistenten Keimen, die in die Umgebung abgegeben werden. Hier besteht eine große Gefahr für die Menschen, da in vielen Fällen Antibiotika zur Bekämpfung von Krankheiten bei Patienten nicht mehr wirksam sind. Besonders Kleinkinder sind betroffen, aber auch Landwirte selbst gehören zu den Risikogruppen. Die Betriebe, die Massentierhaltung betreiben, haben hier eine große Verantwortung. Besonders die meist ungefiltert in die Umgebung abgegebene Stallluft enthält Aerosole, die nicht ungefährlich sind. Auf einer Informationsveranstaltung der Bohlsener Mühle zu diesem Thema vor einiger Zeit gab es zum Teil erschreckende Informationen. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die betreffenden hühner- und schweinehaltenden Betriebe hierzu sachlich informieren und ihre Verantwortung erkennen. Das organisierte und in weiten Teilen polemische Auftreten einiger Teilnehmer der Veranstaltung in Gerdau dient jedenfalls kaum einem zunehmenden Verständnis der Bevölkerung für die Belange der Landwirtschaft.

Arnold Kröger, Barnsen

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