Landvolk spielt falsches Spiel

Die meisten Landwirte leiden unter derzeit ruinösen Erzeugerpreisen, kritisieren Renate und Eckehard Niemann. Foto: dpa

Renate und Eckehard Niemann aus Varendorf schreiben zur geplanten Landvolk-Demonstration in Hannover (Bericherstattung mit dem Titel „Agrarwende: Bauern zanken mit Rot-Grün“, AZ vom 16. September 2015):.

Die allermeisten Bauern leiden derzeit unter den ruinösen Erzeugerpreisen, die auch das „Landvolk“ (Landesbauernverband) mit zu verantworten hat. Die perspektivlose und unverantwortliche Propaganda zugunsten einer Überschussproduktion für den unsicheren Billigst-Weltmarkt und zugunsten einer Unterordnung bäuerlicher Interessen unter die der Schlacht- und Molkerei-Konzerne („Wertschöpfungsketten-Partnerschaft“) bedroht die Existenz zahlloser Landwirte.

Die jetzt von der Landvolk-Spitze angesetzte Demonstration in Hannover, bei der die Erzeugerpreise bezeichnenderweise keine Rolle spielen sollen, dient der Ablenkung von dieser fatalen Landvolk-Verantwortlichkeit. Die durchsichtige Polemik gegen die rot-grüne Landesregierung und deren sanfte Agrarwende verschweigt, dass diese notwendige Agrarwende ja bereits – unter dem Druck von Gesellschaft und EU – von der vorherigen schwarz-gelben Landesregierung eingeleitet wurde.

Die Landvolk-Spitze weiß auch sehr gut, dass das Image von Bauern – im Gegensatz zu dem von Agrarindustriellen – nach wie vor gut ist und will die Bauern deshalb in das Boot der Agrarindustrie zerren. Dagegen sollten sich die Bauern wehren und sich konstruktiv-kritisch an der gesellschaftlichen Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft beteiligen – zumal die meisten anstehenden Tierschutz- und Umweltmaßnahmen EU-weit gelten und im Rahmen von „Klasse statt Masse“ zu einem Abbau preisdrückender Überschüsse führen.

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