Landrat ohne Weitblick

Leserbriefe zu dem Interview mit Landrat Dr. Heiko Blume, AZ vom 23. März:.

Auf den „vermittelnden Kommunikator“, Landrat Dr. Heiko Blume (CDU), der in dem Interview mit Andreas Becker von sich behauptet, überwiegend agiere er außerhalb des Kreishauses, sei also kein „Sesselfurzer“, braucht man wegen seiner Selbstgefälligkeit eigentlich nicht näher einzugehen. Mit den A-39-Gegnern hat er, bislang jedenfalls, nicht kommuniziert: weder mit den Bürgern aus Hohnstorf, noch mit den Menschen im Dachverband der BI’s und auch nicht mit dem LBU. Von nachdenklich sein und auf die Bürger zugehen, von zuhören können, von der Fähigkeit zu vermitteln und von Kommunikation also keine Spur. In Sachen Pro-A-39 tut man ihm deshalb wohl kein Unrecht, wenn man ihn als unverbesserlich bezeichnet. Deshalb soll an dieser Stelle auf nur einen Punkt seiner Interviewäußerungen eingegangen werden. Als für die A 39 positives Beispiel für Gewerbe- und Industrieansiedlung führt er Winsen/Luhe an. Uelzen und Winsen sind ein total unzulässiger Vergleich. Ein Großteil der Firmen, die sich in Winsen unmittelbar neben der Autobahn angesiedelt haben, waren bereits schon vor dem Bau der A 250 (jetzt A 39) rund um Winsen und in Lüneburg ansässig. Im Übrigen dürfte allseits bekannt sein, dass Winsen, alleine bereits der unmittelbaren Nähe zu Hamburg wegen, zum südlichen sogenannten Speckgürtel von Hamburg zählt. Uelzen als Mittelzentrum hingegen ist, von Hamburg aus gesehen, zu weitab „vom Schuss“. Wer, als Firma, an der wirtschaftlich boomenden Metropole Hamburg partizipieren will, fokussiert sich südlich der Elbe auf Ueevetal, Buchholz, Winsen, Buxtehude, Neu Wulmstorf und, wenn’s hochkommt, auf Lüneburg – aber nicht auf Uelzen. Im Übrigen: „Die A 39 ist nicht von der Lufthoheit der großen Masse (der A 39-Befürworter) an den Stammtischen abhängig“ (Heiko Blume). Wohl wahr! „Die große Masse“ der Mitläufer, Opportunisten und Schweiger hat Deutschland bereits wenigstens zweimal ins Verderben geführt. „Die große Masse“ sagt nichts über gut oder schlecht, über richtig oder falsch aus.

Raymonde Harland,

Hamburg

Es erstaunt, dass Landrat Dr. Heiko Blume (CDU) einen für unseren Landkreis strategisch wichtigen Bereich in seinem Interview mit dem Chefredakteur der AZ völlig ausblendet. Das ist der Bereich Infrastruktur in Verbindung mit Tourismus. „Positive Themen“ will er nach vorne bringen. Gut so! Darin sollten ihn die Bürger, Politiker, Wirtschaft und Verwaltung unterstützen. „Negative Themen“ hingegen, wie die geplante A 39, sollte er endlich ad acta legen. Was er dazu ausführt, ist – mit Verlaub – nur „kalter Kaffee“ und Schönfärberei sowie purer Voluntarismus. Was Blume sich da einmal in den Kopf gesetzt hat, will er auch durchgeboxt wissen. Soll er. Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter, lautet ein Sprichwort.

In Sachen Verkehrsinfrastruktur und Tourismus will ich hier nur einen Bereich einer strategisch zielführenden Planung zugunsten unseres Landkreises herausgreifen, der in Blumes Fokus leider totale Fehlanzeige ist. Das ist die stillgelegte, 42 Kilometer lange Bahnstrecke Uelzen–Dannenberg, deren Schienenstrang weitgehend noch erhalten ist, und die aus vielerlei Gründen reaktiviert werden sollte. 1924 wurde sie in Betrieb genommen, 1975 endete der Personenverkehr und im Frühjahr 1993 der Güterverkehr. In 2009 gründete sich der „Förderverein Ostheide-Elbe-Bahn“ für den Erhalt der Strecke. Die „Deutsche Regionaleisenbahn GmbH“ (DRE) zeigte erhebliches Interesse, die Strecke zu übernehmen. Im Jahr 2011 sprang auch Otto Lukat als (positiver) „Trittbrettfahrer“ mit auf den Zug der DRE, indem beide, zusammen mit weiteren Betroffenen, Widerspruch gegen das vom Eisenbahn-Bundesamt geplante Aus für die Strecke einlegte. Im Februar 2013 kam es vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg auf Antrag der DRE, der Stadt Uelzen, des Landkreises Lüchow-Dannenberg sowie des Fördervereins als Kläger zu einem Verfahren in der Angelegenheit Strecken-Reaktivierung. Für die Kläger ging dieses Gerichtsverfahren negativ aus, weil die DRE an der Strecke noch keine Rechte geltend machen konnte.

Unser Landrat, Dr. Blume, hat sich im Gegensatz zum Landrat von Lüchow–Dannenberg in dieser gesamten Angelegenheit vornehm zurückgehalten, um es sarkastisch auszudrücken. Offenbar ist sein strategischer Weitblick unterentwickelt, indem er unfähig ist, das infrastrukturelle, das ökonomische, das ökologische und das touristische Potenzial dieses Projekts für beide Landkreise zu erkennen, das in der Reaktivierung dieser Bahnstrecke liegt.

Borvin Wulf,

Suderburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare