Land muss sich endlich kümmern

Leserbrief zum AZ-Artikel „Hesse favorisiert Großkreis“ vom 26. Oktober 2011:

Ein vom Landkreis Lüneburg in Auftrag gegebenes Gutachten sieht für Uelzen sehr negativ aus. Egal welches Szenario genommen wird, am Ende heißt es trotzdem: Landkreis Uelzen Ade! Aber ich frage mich auch, was sich der Herr Hesse eigentlich für Gedanken dabei macht? Wir Einwohner der betreffenden Kreise würden ein Stück unserer Identität verlieren, wenn alles in einem Großkreis aufgeht. Auch wenn jeder hier nur meckern kann, leben sie trotzdem hier. Und was hat er eigentlich mit der Stadt Lüneburg? Mag sein, dass es dort wirtschaftlich besser aussieht als hier in Uelzen, aber sie ist und bleibt ein Provinznest. Ist man dort, kommt kein Großstadt-Flair auf, egal was man macht. Auch mit Eingemeindungen wird aus Lüneburg keine Metropole. Man kann die Haltung Harburgs verstehen, sich gegen einen Zusammenschluss zu stellen. Also was erdreistet sich Herr Hesse, eine Kommune über alle anderen zu stellen? Oder die Zerschlagung des Landkreises Uelzen vorzuschlagen? Wie schon bei der Gebietsreform in den 1970er Jahren, hoffe ich auf vehementen Widerstand seitens der Bevölkerung. Ich glaube nicht, dass eine Zusammenlegung strukturschwacher Kreise irgendetwas an der Wirtschaftlichkeit der betroffenen Gemeinden ändert. Bedeutet eine Kreisreform, dass sich Betriebe und Firmen automatisch hier ansiedeln? Oder bedeutet es, dass wir, wie aus dem Nichts, mehr Einwohner bekommen? Alles völliger Quatsch! Eine Reform ändert nichts an den Tatsachen. Nein, es schafft ein Verwaltungsmonster von tausenden Quadratmetern, das wohl noch weniger lebens- und leistungsfähig ist als die existierenden Landkreise. Das Land Niedersachsen muss sich endlich um die strukturschwachen Gebiete kümmern und sie nicht einfach zusammenwürfeln. Denn es ist nicht nur an der EU, uns zu fördern. Der Ausbau der Infrastruktur wäre beispielsweise ein Anfang. Die Notwendigkeit einer Kreisfusion ist nicht gegeben, denn durch Zauberhand wird dann auch nicht alles besser und schöner. Und ich glaube, dass auch im hochgelobten Bayern, abseits der Trampelpfade, Strukturschwäche existiert. Oder im Osten. Dort müssten ja dann auch riesige Kreise entstehen, die wirtschaftliche Überflieger werden. Was wohl eher helfen würde, wäre eine engere Zusammenarbeit der Landkreise, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Aber ich unterstütze auch die Meinung von Heiko Blume, sich gegen die Reform zu stellen.

Torsten Meyer,

Uelzen

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