AZ-Leserbrief

„Kröten sind selbst gefährdet“

+
Der Naturschutz am Oldenstädter See sorgt für Diskussionen.

AZ-Leserin Irene Freese antwortet auf den Leserbrief von Karl-Heinz Brandt, AZ vom 9. Mai:

Herr Karl-Heinz Brandt aus Oldenstadt möchte mehr Naturschutz am Oldenstädter See und wünscht sich deshalb die „Fichten sowie die Goldrute“ zurück, die die Untere Naturschutzbehörde und der BUND entfernen ließen. Ich mache seit Jahren die Wasservogelzählung am Oldenstädter See für die Obere Naturschutzbehörde in Hannover und kenne das Gebiet daher gut. Es ist erfreulich, dass Herr Brandt sich um die Insekten sorgt, und am Haspel gibt es tatsächlich verschiedene Wildbienenarten und andere Insekten.

Herr Brandt möchte darum verhindern, dass Kröten und Frösche durch die Maßnahmen am Haspel gefördert werden. Kröten und Frösche sind allerdings selber stark gefährdet. Sie haben außerdem noch nie eine Insektenart aussterben lassen. Eine wichtige Ursache, warum Insekten bei uns aussterben, besteht darin, dass ihnen ihr Lebensraum genommen wird. Die Sandbienen am Haspel benötigen für ihre Brut offene Sandflächen, in die sie – jedes Jahr neu – ihre Bruthöhlen graben können und die von der Sonne erwärmt werden. Die Kreuzkröte benötigt ebenfalls warme, offene Sandflächen, und das tun auch andere gefährdete einheimische Pflanzen und Tiere. Wenn diese Flächen von Fichten und Goldrute überwuchert und beschattet werden, finden alle diese Tiere und Pflanzen keinen Lebensraum mehr.

Die Natur in unserem Landkreis ist vielfältig. Dazu gehören zum Beispiel feuchte Auen, kühle Bäche und eben auch warme, offene Sandflächen. Fichtenbestände und die nordamerikanische Goldrute gehören nicht dazu. Schlimm finde ich, wie Herr Brandt sich Frau Sprengel-Krause gegenüber im Ton vergreift. Wie andere Ehrenamtliche des BUND und auch des NABU hat sie seit Jahren sehr viel Zeit und Energie auf diese und andere Naturschutzmaßnahmen verwendet, meist ohne dass es ein großes öffentliches Echo gegeben hätte. Von Profilierung kann also gar keine Rede sein.

Mich wundert auch, welches Bild Herr Brandt anscheinend vom Landkreis Uelzen hat, wenn er denkt, dass eine ganze Behörde Arbeitszeit und Gelder dafür hergibt, dass sich eine Privatperson profilieren kann. Viel wahrscheinlicher ist doch wohl, dass naturschutzfachliche Gründe den Landkreis dazu bewogen haben. Vielleicht sollte Herr Brandt doch an einer der von ihm so scharf kritisierten öffentlichen Führungen durch das Gelände teilnehmen. Er wird dann den Sinn dieser Maßnahmen sicher verstehen.

Irene Freese, Uelzen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare