Leserbrief

„Kriegsähnliche Akustik“

+
Für Karin Kielhorn ist der Jahreswechsel in den vergangenen Jahren zum Albtraum geworden, wie sie schreibt. Der Grund: Die zahllosen Detonationen von Böllern. 

Zur Berichterstattung über die Silvesternacht, in der Menschen durch Feuerwerkskörper und Böller verletzt wurden und in der es in Uelzen zu zwei Messerstechereien kam, schreibt Karin Kielhorn aus Uelzen: 

Was mich immer noch und schon wieder beschäftigt: Für mich ist der Jahreswechsel in den vergangenen Jahren zum Albtraum mutiert. Klar, ich bin älter geworden, die Nerven sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Man hat auch eine andere Sicht auf die Dinge, als als junger Mensch. Ich spreche von der – wie ich es empfinde – kriegsähnlichen Akustik, die bereits Tage vor Silvester vereinzelnd beginnt und in der Neujahrsnacht ihren Höhepunkt erreicht.

Natürlich meine ich nicht das wunderschön anzuschauende Feuerwerk, das die tollsten, bunten Farbspiele an den Himmel zaubert. Ich meine die Vielzahl von Kanonenschlägen, die im wahrsten Sinne des Wortes „detonieren“ und mir – trotz geschlossener Fenster – Angst machen. Die Körperteile abreißen und Bauwerke beschädigen können (und tun). Tut das Not?

Ich weiß, die Dinger sind verboten, das ist nicht das Problem. Aber woher rührt diese Gewaltbereitschaft? Dieser Spaß daran, um auf jeden Fall aufzufallen und billigend in Kauf zu nehmen, dass andere zu Schaden kommen? In einem Land, in dem „Frieden“ herrscht?

Ich bin froh, dass ich kein Kind mehr im Teenie-Alter habe, das in der Silvesternacht auf die Piste geht. Ich würde vor Angst eingehen. Zumal ich dann noch in der Zeitung lese, dass selbst in unserer kleinen Stadt in der Silvesternacht „mal eben“ zwei Messer- stechereien stattgefunden haben.

Das Silvesterfeuerwerk ist ein uralter Brauch, um das alte Jahr zu verabschieden und die bösen Geister zu vertreiben. Das ist völlig in den Hintergrund gerückt, es geht wohl Vielen nur noch um´s Ballern. Umso lauter, umso besser. Und ihren Mist, den sie hinterlassen, räumen dann die Anwohner weg und selten die Verursacher. Nein, ich find’s nicht mehr gut. Gar nicht. Das alles noch in Verbindung von hemmungslosen „Alkoholgenuss“ ist eine bestialische Mischung. Klar, ich weiß, dass ich diese Entwicklung nicht aufhalten kann, aber immer nur schweigen kann ich auch nicht. Amen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.