Keine Zuwendung seitens des Krankenhauspersonals

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Das man ein 600 Jahre Jubiläum feiert, kann ich verstehen. Nicht verstehen kann ich hingegen die Worte der Herren Bahr und Phöhler. In unseren Krankenhäusern -und nicht nur in diesem Bereich des Gesundheitswesens- wird doch eingespart, wo es nur geht. Wobei es eben aus Sicht der Patienten und sicherlich auch des Pflegepersonals sowie der Ärzte nicht geht! Da von den 3 Z´s zu sprechen (zur Erinnerung: Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit), die nicht außer acht gelassen werden sollen, grenzt schon an Zynismus. War Herr Bahr schon einmal als Patient OHNE Privilegien in einem Krankenhaus? Ich erlebe chronischen Personalmangel, so dass selbst die idealistischste Krankenschwester kaum noch Zeit für ein zugewandtes Wort an den Patienten hat.

Glücklich darf sich der Patient schätzen, der taffe Angehörige hat, die sich kümmern, ob der Kranke genug trinkt, die -sofern möglich- das Kopfkissen mal aufschütteln etc. Da von Zuwendung, Zeit und Zärtlichkeit des Personals zu sprechen ist absurd, auch im Rhönklinikum. Die modernste Apparatemedizin und die wirksamsten Pharmaka können die drei Z´s eben nicht ersetzen. Wenn nur die Wirtschaftlichkeit als Parameter für die medizinische Qualität des Rhönklinikums gilt, dann mag Herr Phöhler Recht haben. Er kann sich ja mal inkognito z.B. in die Notfallaufnahme begeben.

Die dortigen Angestellten hetzen von Patient zu Patient und trotzdem warten Patienten und Angehörige mitunter stundenlang auf eine Untersuchung oder ein erstes (beruhigendes) Gespräch. Dann bleibt auch die Freundlichkeit häufig auf der Strecke, was schade, aber aufgrund des Arbeitspensums auch verständlich ist. Wenn eine Ärztin die Patientin nicht mal grüßt und auch kein Kopfnicken die Begrüßung ersetzt, dann ist das schon bedenklich. Wenn eine demente alte Dame voller Angst, was mit ihr passiert, stundenlang ohne ihr bekannte Stimmen/Personen in der Notfallaufnahme liegt, dann ist da nichts mit den 3 Z´s.

Ich habe noch kein Krankenhaus erlebt, wo das Realität ist. Meinen vollsten Respekt haben diejenigen Ärzte und Pfleger, die trotz Zeitnot wegen Personalmangels und nicht adäquater Bezahlung, Zeit haben, sich den Patienten zuzuwenden, Zeit finden, sich mit besorgten Angehörigen zu unterhalten und wo auch noch möglich ist, den Patienten eine liebevolle Berührung zu schenken. Vergessen wir doch bitte bei aller Wirtschaftlichkeit die Menschlichkeit nicht!

Von Cornelia Utrata

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