Leserbrief

„Kostbarer als Gold“

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Bis man den Schlüssel zur eigenen Wohnung bekommt, kann es auch im Landkreis Uelzen lange dauern.

Zu unserer Berichterstattung über die schwierige Wohnungssuche von Geflüchteten („Keine Wohnung für Ali und Mustafa“, AZ vom 6. März) schreibt Dieter Morawietz aus Uelzen:

Wie überall im Land, so ist es auch in Uelzen und Umgebung schwer, eine Wohnung zu finden. Zumal wenn der Suchende einen nicht deutschen Namen hat. Gott sei Dank gibt es aber Menschen wie Miguel Morales – dessen Vormachen zum Nachmachen animieren kann.

Viele deutsche Mitbürger haben aber vergessen, dass viele von uns mal Flüchtlinge waren. Ich habe am eigenen Leibe erlebt, welche Ablehnung uns Deutsche von Deutschen nach dem Krieg entgegenkam. Motto: „Ab in die Scheue und ruhig!“

Hierzu einige weitere Gedanken: Heutzutage ist es schwer, eine preiswerte Wohnung zu bekommen, in der man sich wohlfühlt. Eine angenehme Wohnung ist kostbarer als Gold, wertvoller als ein Straßenkreuzer und seltener als ein Deutscher, der noch nicht in Italien war.

Man muss schon erhebliche Anstrengungen unternehmen, um schließlich die Schlüssel zu den vier Wänden in der Tasche zu haben. Man muss Detektiv sein, ein Marathonläufer und müsste außerdem noch eine Gelddruckerei haben, um findig und schnell die Wohnung auszumachen.

Außerdem müsste man noch ein geschickter Redner sein, um den Vermieter von den eigenen Vorzügen so schlagfertig zu überzeugen, dass man anderen Mitbewerbern vorgezogen wird.

Und dann darf man nicht den Glauben verlieren, dass man in dieser Wohnung die Goldene Hochzeit feiert.

Doch Scherz beiseite. Jeder weiß, dass man hier übertreibt. Aber alle, die eine Wohnung suchen, wissen, dass an dieser Übertreibung nicht nur ein Körnchen, sondern ein dicker Brocken Wahrheit ist.

Mein Aufruf an alle Alis, Mustafas und alle Deutschen: Gebt nicht auf – es gibt auch noch Menschen die ein Herz haben. Und die, die kein Herz haben, sind sowieso auf der Flucht vor dem Leben.

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