Klinik-Kauf: Nur Machtspiele

Leserbrief zum Artikel „Fresenius übernimmt Klinikum“, AZ vom 14. September.

Nun endlich – in monatelanger Stille haben die findigen Anwälte von Rhön und Fresenius eine Lösung gefunden, den geplanten Milliarden-Deal perfekt zu machen, die Konkurrenten, insbesondere Asklepios und B. Braun vor die Tür zu stellen und den entscheidenden Schritt in Richtung Marktbeherrschung zu machen. Nein, liebe Kollegen im Klinikum Uelzen – von der Reinigungskraft über das medizinische Personal bis in die Verwaltung – Sie brauchen keine Angst zu haben! Ihr neuer „Herr“ pflegt ein offenes und vertrauensvolles Miteinander, ein Leben in Eintracht und Zufriedenheit. Niemand hat die Absicht, etwas zum gefühlt Negativen zu verändern. Keiner wird weiter ausgepresst, niemand muss allein die Arbeit für zwei noch schneller schaffen. Sie haben doch schließlich in der Mitarbeiter-Info auch gelesen, dass Sie sich keine Sorgen um den Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen oder die Zukunft machen brauchen – Ach, die Frage nach einem möglichem Stellenabbau wurde gar nicht beantwortet? Aber trösten Sie sich: Zitat: „Im Interesse der ebenfalls angestrebten höheren Effektivität und Effizienz werden wir unsere internen Strukturen einer eingehenden Prüfung unterziehen.

Hierzu halten wir Sie auf dem Laufenden.“ Prima! Herzliches Beileid! Zitat: „Wir erfüllen hier weiter unsere Aufgabe…, völlig unabhängig davon, wer unser Gesellschafter ist.“ – Herr Caesar, ließ sein Schiff, für das er, samt den auf diesem befindlichen Passagiere, die Verantwortung trug, auch geradewegs mit voller Kraft durch das Treibeis fahren – weil es so gewünscht wurde! Jeder muss für sich entscheiden, wen oder was er bereit ist, für Geld zu opfern – und er muss es eben vor diesen „Opfern“ verantworten! Liebe Bürger – worum geht es hier? Geht es hier um Ihre Gesundheit und eine entsprechende Versorgung im Bedarfsfall, wenn Sie darüber lesen, wie ein Klinikkonzern den anderen kauft? Nein, geht es nicht! Es geht hier um Markt, es geht um Macht und Vormachtstellung, es geht um Preisdiktate, Profitsicherung und Gewinnmaximierung! Und mittendrin – die Mitarbeiter und Patienten. Hauptsache ist, dass jeder Kranke in weniger als eine Stunde eine Helios-Klinik erreicht und: abgerechnet werden kann! So funktioniert die Gesundheits-Marktwirtschaft, aber nicht die Gesundheitsversorgung, wie Sie sich diese vielleicht vorstellen.

Dr. Jens Ruff, Wittmund

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