AZ-Leserbrief

„Es ist klar, was uns bevorsteht"

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Bäumesterben im Naturschutzgebiet Sächsische Schweiz: „Das Braune sind alles tote Bäume“, sagt Eckart Warnecke, der das Foto selbst gemacht hat.

Zum Klimawandel erreichte die Redaktion folgender Leserbrief: 

Laut einer neuen Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts Sinus haben in Deutschland mehr als zwei Drittel der 14- bis 24-Jährigen Angst vor dem Klimawandel. Ich frage mich, warum nicht hundert Prozent Angst davor haben. Und im Grunde genommen müsste auch jeder über 24-Jährige Angst davor haben und vor der Zukunft, auf die wir zusteuern. Hier bei uns hatten wir schon im letzten Jahr viel zu wenig Regen und es hieß, ein zweites Dürrejahr könnten wir uns nicht mehr leisten. Nun gab es weder im Winter ausreichend Niederschläge noch bisher. Komisch, dass die Menschen nicht langsam in Panik geraten. Es heißt immer so geflügelt, Angst sei kein guter Ratgeber. Ich weiß nicht, wer den Quatsch mal aufgebracht hat; denn Angst ist ein sehr guter Ratgeber.

Gäbe es so etwas wie Angst nicht, dann hätte die Menschheit bis heute gar nicht überlebt. Die Natur stirbt zwar langsam, aber sie stirbt. Die Bäume in ganz Mitteleuropa sind in einem erschreckenden Zustand. Zehntausende Birken sind schon längst abgestorben, die Fichten überleben nicht und die Eichen werden laut einer Studie von vor zehn Jahren dieses Jahrhundert nicht überleben.

Es ist zwar lobenswert, dass heutzutage viele junge Menschen für die Zukunft auf die Straße gehen, nur, was wir heute brauchen, um die eigene Selbstausrottung noch zu verhindern, das wären ganz andere Maßnahmen, als Diskussionen über den Diesel.

Als ich vor über 30 Jahren meine Diplomarbeit in Psychologie über die bevorstehende Klimakatastrophe und die Auswirkungen auf die Psyche der Menschen geschrieben habe, da war schon jahrelang vor der Art des Wirtschaftens und der Ausplünderung gewarnt worden. Wenn wir jetzt noch etwas retten wollen, dann wären gigantische Schritte wie dieser nötig: Man friert die Hälfte des Militärhaushaltes sofort ein. Mit dem freigewordenen Geld kauft der Staat Gebiete auf und pflanzt dort Bäume, er kauft leer stehende Grundstücke auf und renaturiert sie und statt Subventionen in neue Industriegebiete oder ähnliches gibt es nur noch Subventionen für Maßnahmen, in denen Naturgebiete geschaffen werden.

Allerdings wäre das nur eine von sicherlich 50 weiteren gravierenden Maßnahmen, die nicht nur in Deutschland, sondern weltweit getroffen werden müssten. Nur – wird man das machen? Ich denke nicht. Also ist klar, was uns bevorsteht. Es wird immer wärmer, die Menschen kaufen immer mehr Klimaanlagen, die das Klima weiter erwärmen, es sterben immer mehr Bäume, es wird so heiß, dass das Getreide auf den Feldern verbrennt, und dann …?

Die Fläche am Kanal, die anscheinend jetzt auch zugebaut werden soll, wäre eine gute Möglichkeit, um zu zeigen, ob man es mit dem Klimaschutz ernst nimmt. Ein guter Ort, um Bäume zu pflanzen.

Eckart Warnecke, Uelzen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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