Kirchensteuer sollte es uns wert sein

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Foto: dpa
+
Die Zahl der Kirchenaustritte steigt. Foto: dpa

Karl Jongeling aus Uelzen schreibt zum Bericht „Kirchenkreis beklagt mehr Austritte“ (AZ, 30. Januar 2015):.

Wer im Jahr mehr als 801 Euro (bei Verheirateten 1602 Euro) Einnahmen aus Zinsen, Dividenden und realisierten Kursgewinnen erzielt, zahlt für je 100 Euro zusätzliche Kapitalerträge 2,25 Euro Kirchensteuer. Das war schon immer so, solange es die Kapitalertragssteuer gibt. Nur musste der Steuerzahler, sofern er denn einer Kirche angehört, diese Kirchensteuer früher erst nach Erhalt seines Steuer-bescheids zahlen. Jetzt erspart er sich die Arbeit mit dem Ausfüllen der Erklärung KAP und zahlt doch keinen Cent mehr als früher.

Für viele scheint das aber nur ein Grund zu sein, endlich auszutreten, weil sie sich schon immer über die Kirchensteuer geärgert haben. Diese Verweigerung ist eigentlich schade.

Ich denke an die viele wertvolle Arbeit, die die Kirchen leisten. Was wäre Köln ohne seinen Dom und Uelzen ohne St. Marien! In Russland hat Stalin viele Kirchen abreißen lassen. Inzwischen sind die meisten wieder aufgebaut worden, weil den Russen ihr Land ohne die vergoldeten Zwiebelturmdächer ärmlich und erbärmlich vorkam. Die Dresdener sind auch glücklich, seitdem sie endlich ihre Frauenkirche wieder haben.

Aber – und daran möchte ich nichts ändern – es gibt in unserem großartigen Grundgesetz den Artikel 4, der die Freiheit des Glaubens, Gewissens und Bekenntnisses gewährleistet. Niemand muss Mitglied einer Kirche sein, und wer austritt und das auch noch mit lauter Kritik an den Kirchen verbindet, dem geschieht nichts.

Wie schön, dass wir in dieser Bundesrepublik leben. Ich möchte nicht in einem Staat leben, in dem der Islam alle Lebensbereiche dominiert. Der arme Blogger Raif Badawi, der die Islamfunktionäre in Saudiarabien kritisiert und eine Trennung von Religion und Staat gefordert hatte, hat inzwischen 50 der ihm im Namen Allahs verordneten 1000 Peitschenhiebe erhalten und soll noch zehn Jahre im Gefängnis verbringen, weil er „den Islam beleidigt hat“. Da leben wir hier doch auf einer Insel der Seligen, und das sollte uns das bisschen Kirchensteuer wert sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare