Kindermund tut Wahrheit kund

Desiree Oertel schrieb folgende Zeilen und erläutert, wie ihre Tochter Mariella für den erhalt der Grundschule Veerßen demonstriert:.

Sonnabendmorgen, 8 Uhr: Die siebenjährige Mariella Oertel aus Uelzen beginnt sich für den Protestmarsch gegen die Schließung der Grundschule Veerßen zu rüsten. Sie wurde dieses Jahr in der Grundschule Veerßen eingeschult und fühlt sich in ihrer Klasse wohl. Nur wenige Tage nach der Einschulung die bittere Mitteilung: Die Stadt überlegt, die Schule zum nächsten Schuljahr zu schließen und die Kinder auf andere Einrichtungen zu verteilen.

Mariella zieht sich stolz ihr T-shirt mit der Aufschrift „Schule-Veerßen“ an und kommt in die Küche ihrer Eltern: „Mama, was sind eigentlich Politiker?“ fragt sie. „Ist doch klar“, sagt ihr neunjähriger Bruder, „Politiker sind die Menschen, die deine Schule schließen wollen und du musst dann in eine andere Schule gehen und siehst deine Freunde aus deiner Klasse nie wieder!“ Als Mutter von Mariella muss ich nun schlucken, aber revidieren kann ich die Aussage meines Sohnes nicht, denn im Grunde hat er Recht.

Dies ist das Bild, welches die Politiker den Jüngsten unserer Gesellschaft mit ihren Plänen derzeit vermitteln. Mariella überdenkt noch die Worte ihres Bruders und erklärt dann: „Dann sind Politiker doch eigentlich schlechte Menschen, und schlechte Menschen gehören doch von der Polizei eingesperrt. Warum tut die das nicht, Mama?“ – Auch darauf finde ich als Mutter keine passende Antwort.

Erfreut waren wir über die große Teilnehmerzahl an der Demonstration und die Erkenntnis: Wir stehen mit unserer Meinung nicht allein da. Die Hoffnung bleibt, dass die Verantwortlichen ihre Pläne überdenken: Sparen ist gut – aber nicht bei den Schwächsten unserer Gesellschaft, den Kindern.

Desiree Oertel,

Uelzen

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